re:publica 13 Tag 3

RP_2013_0008
Jo, auf gehts zum Finale! Der dritte und letzte Tag der Republica. Heute ist bei mir vor allem Bildungstag. Dieser findet den großteil des Tages über in Stage 6 statt.
Im erste „Vortrag, Lernen, lernen lernen – Wie im Digitalen Zeitalter eigensinnig und gemeinsam gelernt wird“, geht es um die großen Probleme der Bildungsträger ihr Wissen modern zu vermitteln. Dazu haben wir uns die Lern- und Lehrtechniken des 19. Jahrhunderts (das war vor 200 Jahren), bis heute angesehen. Und zumindest hat sich bei den Lehrmethoden der Schulen und Institute nicht viel getan. Anders sieht es da bei den Lernmethoden aus. Privat hat sich vor allem das Kollaborative, lernen um einiges weiterentwickelt. Das liegt vor allem an der Vernetzung der Menschen.
Dazu kann ich selber eine Geschichte erzählen: Wir haben zum Beispiel eine Facebook Gruppe, in der die Termine der nächsten Klausuren gepostet werden, deren Themen diskutiert werden. Es wird Hilfestellung gegeben, und Dokumente aus dem Unterricht werden hochgeladen. Ich persönlich verzichte nun schon seit etwas mehr als 1,5 Jahren auf schriftliche Aufzeichnungen im Oberstufenzentrum. Tablet und Notebook machen es möglich! Und die beiden Geräte sind zusammen immer noch leichter als die Zettel und Bücherwirtschaft. Ganz nebenbei gibt es bei Digitalen Aufzeichnungen noch die Annehmlichkeiten der Volltextsuche, Kommentare und bearbeiten durch verschiedene Benutzer für das Kollaborative lernen! Privat hat sich da also eine ganze menge getan. Im krassen Kontrast dazu stehen die Öffentlichen Bildungsträger.
RP_2013_0013

Auf den Servern meines Oberstufenzentrums gibt es alle Unterrichtsmaterialien in Digitaler form. Die Schüler dürfen, zumindest mit den Schuldrechnern auch darauf zugreifen.  Dummerweise ist das alles nur lokal. Es ist nicht möglich, die Dokumente auf einen USB Stick zu kopieren, oder per Mail zu verschicken. Das finde ich irgendwie Paradox. Was bringt es, die Dokumente nur in der Schule zu lesen und warum sträubt sich die Schule derart, digitale Informationen frei verfügbar zu machen? Stattdessen drucken sie ihre PDF´s und teilen im Unterricht fröhlich Papier aus. Da kann man auch noch so oft den Vorschlag machen, einen Mail verteiler einzurichten. Und was müssen die Schüler machen? Die sitzen dann am Nachmittag zu hausen und scannen die Massenhaft ausgedruckten Arbeitsblätter aus der Schule wieder ein… Das ist Satire pur 😉

Der nächste Vortrag, „x-learning – Warum die Digitale Revolution des Lernen gescheitert ist.“ kommt wieder ein wenig kritischer daher. Im Grunde wurde aufgezeigt, wie lächerlich der Wechsel von Analog zu Digital in der Schulwelt ist. Es wurde schlicht ausgetauscht. Beispiel? Gut. Also, eine Freundin von mir ist gerade mit dem Fernstudium beschäftigt und Neugierig wie ich bin, hab ich mich daneben gesetzt und mir einige Sessions angeschaut. Naja, ich denke es macht jetzt nicht so den Unterschied ob man in den Vorlesungsaal geht, oder das ganze streamt. Die Lernmethoden bleiben die gleichen. Hier hätte ich mir von den neuen Medien etwas mehr Innovation gewünscht.

RP_2013_0015

Weiter gehts mit dem Bildungstag: Mittlerweile habe ich mir im Saal richtig bequem gemacht. „How to Digital Native: Medienkompetenz auf dem Lehrplan“ lautet der nächste Vortrag, welche sich in mehrere Einzelteile gliedert. Es geht um die Generation, welche Momentan online aufwächst und nichts anderes kennt. Ohne Vorbilder fehlt es ihnen aber leider auch an Medienkompetenz. Es muss einfach gelernt werden, wie man mit der Privatsphäre im Netz umgehen soll und das nicht jeder Post gleich Öffentlich gemacht werden soll. Denn das Internet vergisst ja bekanntlich nie!

Gut, als ich mit 8 Jahren zum ersten Mal Kontakt zum Internet hatte, gab es so etwas wie Soziale Netzwerke nicht. Es gab ja noch nicht einmal das Web 2.0. Deswegen musste ich mir alles selbst aneignen, was wiederum einfacher war, denn es gab ja noch nicht allzu viel zu sehen im Netz. Trotzdem war es eine Zeit, in der das Internet noch frei war. Alle Dienste wurden gleich behandelt, Anonymität war überall gegeben. Da ich die Entwicklung zum Web 2.0 und darüber hinaus selbst miterlebt habe, versetzt mich das auch in die Lage Prognosen anzustellen. Und der momentane weg, den Politik und Großkonzerne und vorgeben gefällt mir nicht unbedingt um es gelinde auszudrücken. Denn die heutige Generation kennt nichts anderes als das zwei Klassen Internet, wie wir es seit einiger Zeit haben. Sie kennen nichts anderes als die gefilterten Suchergebnisse, die sie personalisiert auf sie zugeschnitten bekommen. Jemand muss ihnen zeigen, das es auch anders geht, wie das Internet ohne Drosselung oder Überwachung war und das man sich nicht alles gefallen lassen muss. Ich finde, dass Medienkompetenz als ganzes Unterrichtet werden muss, nicht als einzelnes Fach, sondern als fester Bestandteil des gesamten Unterrichts. Es sollte gelehrt werden, wie das Internet zum lernen benutzt werden kann und wie man richtig recherchieren kann. Gleichzeitig und das ist mir besonders wichtig sollte aber auch Toleranz gelehrt werden, damit es irgendwann keine Trolle mehr gibt. Aber das ist wohl (noch) Wunschdenken.

RP_2013_0009

Die zweite Hälfte des Vortrages hat mich hingegen wirklich umgehauen! In der Theodor-Storm-Schule in Husum existiert seit 2010 ein Medienverbot. MP3 Player, Smartphones, Handys, generell alles, was mit Elektrizität läuft ist verboten. Nicht nur in der Stunde, sondern auch in Pausen und generell auf dem ganzen Gelände. Allein wenn man sicht überlegt, wie die meisten Menschen auf die Uhr schauen (nämlich mit Hilfe von Handy/Smartphone), dann wirkt so ein Verbot schon sehr lächerlich! Das Argument der Schule ist, dass die Schüler in den Pausen lieber „Rumtoben“ sollen denn sie könnten sich ja sozial Abkoppeln indem sie in den Pausen Musik hören. Musik ist ja auch so gar nichts über das man reden könnte und so. Und wir sprechen hier auch teilweise über Gymnasiasten. Aber Handyverbot auf der ganzen Schule? Nein, es gibt einen kleinen Bereich, der sich wiedersetzt. Ein Glaskasten, 20 m² wurde errichtet, in dem die Benutzung in den Pausen gestattet ist. So, kann durch das Glas auch genau beobachtet werden, wer was macht. Über so etwas kann ich einfach nur den Kopf schütteln. Aber nicht nur das treiben in dieser Schule hat mich beeindruckt, nein es war auch der Vortragende. Michael Schröder, 18 Jahre alt und Mitglied der Schülervertretung kommt einfach so zu Re:publica und hält einen super Professionellen Vortrag. Respekt! Naja, vielleicht regt sich jetzt mit Hilfe der Netzgemeinde etwas mehr Protest. Wir können es nur hoffen.

RP_2013_0017

Die nächsten beiden Vorträge drehten sich um die Gaming Kultur. Mit Asien, um genau zu sein mit der in Südkorea. Mitte der 90er Jahre steckte das Land in einer Schweren Wirtschaftskrise. Die Regierung beschloss die Internetzugänge massiv auszubauen. Seitdem hat hat Südkorea mehr Geld in die Internet Infrastruktur gesteckt als Deutschland und die USA zusammen. Und es hat funktioniert, die Internet Wirtschaft Boomt. Ganz nebenbei hat sich Gaming gesellschaftlich mehr als etabliert. So wie wir hier Fußball schauen, werden in Südkorea Starcraft Duelle im Fernsehen übertragen. Die Spieler sind dort sogar richtige Superstars, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Auch wenn das ganze dort vielleicht etwas zu hoch stilisiert ist, hoffe ich doch, dass der Trend endlich auch nach Deutschland kommt. Dann ist auch mal etwas anderes außer die berüchtigten Killerspiele in den Medien. Und vielleicht entwickeln sich daraus gute Geschäftsmodelle für unsere Wirtschaft. Wer weiß?

RP_2013_0012

Mit Gaming geht es auch weiter, aber diesmal etwas kritischer. „Und warum sind da jetzt Brüste? – Warum auch die Gamerszene mehr als einen Aufschrei verdient hat“. Ok, die Überschrift sagt schon, das es ein kritisches Thema ist, denn leider existiert Sexismus immernoch in weiten teilen unserer Gesellschaft. Schuld daran sind vor allem die Klischees, welche sich in vielen Jahren eingebrannt haben und immernoch von Generation zu Generation weitergegeben werden. 47 % aller Gamer sind mittlerweile weiblich, werden aber von der Industrie immer noch nicht als Zielgruppe wargenommen. Als Zielgruppe wird nur die Klischeehafte Frau wargenommen. Das äußert sich in den süßen Mädchenspielen, die es so im Internet gibt (google am besten einmal danach!). Aber warum sollen Frauen nicht dieselben Spiele wie Männer spielen dürfen ohne gleich von irgendwelchen Trollen zerpflückt zu werden nur weil sie vielleicht besser sind. Ich hatte auf X-Box live auch eine Freundin aus den USA, die mich regelmäßig bei Smackdown vs. Raw fertiggemacht hat. Hier muss auf jeden Fall noch eine ganze Menge passieren. Also Gamer (und ja, ich sage Gamer, denn ich betrachte diesen Begriff als Unisex) seid einfach lieb zueinander!

RP_2013_0019

Der letzte Tag auf der Republica nähert sich dem Ende. Ein Vortrag steht noch an. Dieses Mal wird es Gesundheitbewusst! Das ist ja ein Begriff der sicherlich in der Szene nicht allzu weit verbreitet ist, aber das sind ja jetzt wieder Klischees (über was habe ich denn zuvor geschrieben?!). „Richtig essen, richtig schlafen und lasst die Mate weg: Besser Leben für Geeks“. Matthias Bauer hat sich etwas ausgiebiger über das Thema Ernährung für Geeks auseinandergesetzt und gibt einige Passende Tipps. Nerd-mäßig wurde das ganze vielleicht etwas zu sehr auseinandergenommen. Und zwar bis auf den Atomaren Aufbau unserer Nährstoffe. Es war ein sehr interessanter, wenn auch kurzer Vortrag. Ich werden auf jeden Fall auf seinen Blog vorbeischauen um mich in die Materie etwas einzulesen und mir ein paar Tipps zu holen. Gesund ernähren kann ja nicht schaden!
So, nun steht also nur noch die Abschlussveranstaltung an, in der die Fakten präsentiert und auch ein bisschen gesungen wird. Danach ist Party angesagt!
Was kann ich nun über die diesjährige Re:publica sagen? Es ist auf jeden Fall nicht leicht bei den vielen Eindrücken, aber ich versuche es einmal.
Es war eine absolut tolle Veranstaltung dieses Jahr. Die nächste Republica wird über eine volle Woche andauern und ich werde auf jeden Fall trotz des Stresses wieder dabei sein! In Erinnerung geblieben ist mir dieses Jahr vor allem das Wlan. Das funktionierende Wlan! Es war überhaupt meine erste Konferenz mit funktionierenden Wlan. Twittern, Bloggen, Youtube oder einfach nur so Surfen, es funktionierte. Und zwar auf dem ganzen Gelände. Ich kann es immer noch nicht Glauben!
Bis zum nächsten Jahr Re:publica!!!

Related posts:

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.