Wirtschaftskrise, Soziale Probleme, Ungerechtigkeit und Saltatio Mortis

„Warung, dieser Artikel enthält meine freie Meinung, sowie Spuren von Rechtschreibfehlern!“

Ich hatte mir ja sowieso vorgenommen etwas über Saltatio Mortis zu schreiben (spätestens wenn das neue Album in ein paar Tagen rauskommt), aber mit dem Preview von „Wachstum über alles“ sind mir die Jungs zuvorgekommen. Der Song greift, gerade in der aktuellen Lage der Welt, ein höchst Kontroverses Thema auf.
Dass etwas schiefgeht in unserer Welt, was die Verteilung von Vermögenswerten angeht werden wir wohl alle wissen. Beschäftigt hat mich das schon immer, aber eher Philosophisch, denn was kann ein einzelner schon unternehmen? Seit circa 2008, lang lang ist´s her, beschäftigten mich Themen wie soziale Ungerechtigkeit, Lobbyarbeit und allem Politik aber umso mehr.

Das war auch die Zeit, in der ich den Fernseher abschaltete und selber zu Denken begann. Ich stellte unsere Politik infrage, recherchierte selbstständig und versuchte meinen Weg durch das Rhetorisch mal mehr, mal weniger clever aufgebaute Lügen Wirrwarr zu finden. Auch wenn ich nun einigermaßen „sehend“ bin (und ich bin bestimmt nicht der einzige), hilft das, außer vielleicht mir persönlich, sonst leider niemanden weiter. Aber jetzt nutze ich die Chance mich ein wenig auszulassen und vielleicht den einen, oder anderen von Euch zum Denken anzuregen.
Gut, dann mal los!

Dass unser Wirtschaftssystem auf Dauer nicht funktionieren kann ist klar, denn schließlich basiert es ausschließlich auf Wachstum. Wir produzieren, kaufen, werfen es in die Tonne, damit wir wieder produzieren können. Damit wir unsere Produkte schneller in die Tonne hauen, haben sich Wirtschaftsgangster natürlich auch etwas einfallen lassen.
Wie, was denn fragt ihr jetzt?
Naja, da wäre die gute alte geplante Obsoleszenz (ganz beliebt bei Druckern und Fernsehern), gezieltes Verhindern von Reperaturmaßnahmen durch beispielsweise verkleben, statt verschrauben der Produkte (besonders beliebt unter anderen bei Äpfel-Hersteller). Kleber ist nebenbei auch viel Umweltverträglicher.:( Und natürlich auch der ungeheure, ich nenne ihn gerne „Technische Fortschrott“, mit seinen hohlen Phrasen.
Einige davon werden Euch bestimmt bekannt vorkommen. Ich nehme mal zwei davon auseinander:

„Das neue blah blah Phone, jetzt 1 Mio. ppi Auflösung!“

Okay, wer findet noch, dass dieser Auflösungshype bei den Smartphones Quatsch ist? Bei, sagen wir mal einem 4,2 Zoll Display werden die meisten Leute den Unterschied zwischen 200 und 300 ppi sowieso nicht merken. Und warum ich unbedingt Full HD auf solch einem winzigen Bildschirm brauche kann auch keiner erklären.Kinofilme werde ich mir jedenfalls weiterhin lieber auf meinem Fernseher anschauen. Ich bin mit den 214 ppi auf meinem S2 jedenfalls zufrieden und habe sogar schon ganze Bücher darauf gelesen. Was könnte die gesteigerte Auflösung denn noch für praktische Vorteile bringen, außer dass die Icons etwas feiner aussehen? Eigentlich keine, denn kleiner können sie dummerweise nicht werden, weil die Menschen mit ihren Wurstfingern sie dann nicht mehr treffen könnten. Das einzige, was der Nutzer bemerkt (oder auch nicht) ist der höhere Stromverbrauch. Es müssen mehr Pixel beleuchtet werden und CPU/GPU haben durch die höhere Auflösung auch mehr Rechenarbeit zu leisten.
Und wenn ich wirklich diese sinnbefreiten ppi zahlen brauchen würde, so wie es mir die Werbung suggeriert, könnte ich eigentlich gar nicht hier sitzen. Dann müsste mein 27 Zoll Full HD Monitor, mit seinen 81,5 ppi ja ein so abgrundtief schlechtes Bild machen, dass ich weder Bild, noch Schrift erkennen könnte und vor Schmerz eigentlich permanent mit dem Kopf dagegen schlagen müsste. Mache ich aber nicht…

„Kaufe lieber das neue blah, blah, blah! Das spart Energie und ist viel Umweltfreundlicher.“

Ja, auf das Öko-Gewissen einreden klappte schon seit jeher in Deutschland ganz gut. Schließlich hatte das „anders sein“ oder „gegen den Strom schwimmen“ schon immer einen gesteigerten Hipp-Faktor.
Dieser Öko- und Umwelt kram wird, Abseits von Nahrungsmitteln vor allem in der Autobranche suggeriert. Klar, auch bei Elektrogeräten ist das ähnlich. Auch ich will mir nicht jedes Jahr das Topaktuellste Notebook kaufen nur weil es Energieeffizienter ist. Und ich möchte auch kein Hybridauto, dass 30 Kilometer rein elektrisch fahren kann. Mein Sieben Jahre alter Fiesta tut es auch!
Dass beide Produkte, das Auto und das Notebook meines Beispiels, im reinen Betrieb Energieeffizienter und somit auch Umweltfreundlicher sind, bestreite ich nicht. Aber die Gesamtansicht zählt hier. Wenn man ein wenig Abstand gewinnt, stellt man schnell fest, dass aber bei der Produktion jedes Produktes Massiv CO² freigesetzt wird, welches sich erst nach Jahren der Nutzung amortisiert haben wird. Mal ganz zu schweigen von der Entsorgung und dem Recycling der alten Hardware.Daran denkt dummerweise keiner.
Also handle ich im Grunde Umweltfreundlicher, weil ich mein „altes“ Notebook und meinen Wagen behalte!
Und noch einmal ganz kurz zu den Elektroautos. Mal ganz davon zu schweigen, dass ich nach 30 Kilometer Fahrt keine Lust hab, die Karre 5 Stunden an die Steckdose zu hängen, sollte sich jeder, der so ein Auto fährt mal Gedanken darüber machen, was hier in Deutschland die wichtigsten Energieträger sind. Sprich, woraus wird hier der Strom hergestellt?
Also laut Wikipedia sind es zu 85 % fossile Brennstoffe. Kohle, Gas und Kernenergie (ja, die gibt es noch, ich war selber geschockt!).
Wenn, nur um meine Akkus zu füllen Tonnenweise Kohle verbrannt werden muss, kann ich doch allen ernstes kein gutes Öko-Gewissen haben oder?

Okay, diese drei, nennen wir sie einmal Stilmittel werden benutzt um uns zum Kaufen anzuregen. Deshalb hat sich auch unsere jetzige Wegwerf-Gesellschaft, mit ihren Wegwerf-Produkten (jedes Jahr neues Smartphone…) entwickelt. Und diese Produkte müssen wir kaufen, weil wir denken, dass wir sie brauchen. Wenn wir das dann tun entsteht Wachstum.
Ich schlussfolgere also, dass wir ständig neues brauchen um Wachstum zu generieren. Aber ist das jetzt wirklich für die Welt, für unsere Existenz der Richtige Weg? Selbst wenn ich zugrunde legen würde, dass Ressourcen unbegrenzt vorhanden seien, würde ich bezweifeln, dass dies der Richtige Weg ist, uns also auch als Menschen in einer Gesellschaft voranbringt (Ethik und so…). Die Ressourcen sind leider nicht unbegrenzt, weshalb  ja auch schon Kriege darum geführt werden. Das bekommen wir nicht so wirklich mit, weil nur andere, vorgeschobene Gründe genannt werden (ähm „Terrorismus“ oder „Friedensmission“ sind einige davon).
All dies geschieht, nur damit „wir“ weiter wachsen können.

Ich finde es schon sehr befremdlich, dass unser Wirtschaftssystem die Charakteristika einer bösartigen Krankheit aufweist.

Gut, jetzt habe ich mich genug ausgelassen! Entschuldigung für den langen Monolog, aber ich könnte ehrlich gesagt einfach nur noch kotzen wenn ich die Propaganda Nachrichten lese, oder die Marionetten-Politiker (von denen wie ich finde überhaupt keine Partei hier in irgendeiner Form wählbar ist!) mit ihren erbärmlichen Phrasen und Offensichtlichen Lügen sehe.

Aber nun endlich zum Song:

Ich mag es wenn Musik nicht einfach nur schön klingt oder sich gut Rocken lässt, sondern wenn sie eine Nachricht verbreitet, zum Nachdenken anregt. Saltatio Mortis hat es geschafft, die Lage und Laufrichtung unserer Gesellschaft einzufangen. Das gilt natürlich für den Text an sich, aber auch für das Video. Als Setting einen Hofstaat im 17/18 Jahrhundert auszuwählen ist schon klasse. Nichts Symbolisiert mehr Dinge wie Intrigen, Machtmissbrauch, Egoismus, Dekadenz und Korruption wie das Zeitalter des Absolutismus!

Ich finde es Bildgewaltig wie das Monster im Käfig, welches die Wirtschaft symbolisiert, immer weiter vom Hofnarr (Steuerzahler?) gefüttert wird und somit wächst. Bis es schlussendlich aus seinem Käfig ausbricht und der König (Politik) es nicht mehr Kontrollieren kann. Sicherlich ist die Darstellung als überspitzt zu betrachten, ich aber sehe sie als durchaus angemessen gewählt, schon wenn ich mir im realen Leben die Chronologie der, sagen wir mal Eurokrise zu Gemüte führe, komme ich zu dem Schluss, dass es tatsächlich als weniger überspitzt anzusehen ist ;(leider).

Auch Saltatio Mortis hat ein kleines Statement zu dem Thema abgegeben, was ich Euch nicht vorenthalten will. Ich stimme dem Tenor voll und ganz überein. Teilt es, Diskutiert darüber und denkt nach! Ich empfinde es als Mündiger Mensch als Pflicht, sich nicht vor solchen Themen zu verstecken, sondern offen über die Probleme unserer Zeit zu äußern, auch wenn man sie vielleicht nicht hören will. Die Meinungsfreiheit ist unser höchstes Gut!

Außerdem finde ich es schon Fantastisch, wie Saltatio Mortis von Album zu Album sein Spiel verbessert. Bei den Instrumenten dominieren zwar vor allem die Gitarren, was für die Band vielleicht etwas untypisch ist. Jedenfalls in diesem Ausmaß! Auch wenn ich den harten kernigen Sound mag, finde ich es doch ein wenig schade, dass sie sich von ihren Wurzeln, der Marktmusik weiter entfernen. Aber eine Band muss sich ja weiterentwickeln, von daher finde ich die Richtung schon in Ordnung. Nach den sehr Ruhigen „Sturm auf das Paradies“ (das war das letzte Album) geht es also wieder zurück in die härtere Richtung wie bei „Aus der Asche“ oder „Des Königs Henker“. Aber Okay, dieses eine Stück reicht natürlich nicht aus um eine Prognose zu erstellen, wie denn das finale Album nächste Woche klingen mag. Ich bin auf jeden Fall darauf gespannt. Wie gesagt, nächste Woche ist es so weit!!
Und Ende August darf ich Euch dann live bei 15 Jahre Schandmaul sehen! Juhuuu!!

 

Gut, jetzt habe ich viel Geschrieben. Eigentlich hab ich mich mehr Augekotzt, als über die Musik oder die Band zu reden 😉 Aber das ist Okay. Ich finde es ist wichtig auf Missstände hinzuweisen und eine Diskussion zu eröffnen. Aber vor allem fühle ich mich jetzt besser nachdem es raus ist!
Zum Abschluss will ich mich noch einmal kurz Rechtfertigen, wie und warum ich hier Thesen aufstellen kann. Ich komme aus dem Technisch, Kaufmännischen Bereich, weiß also was ppi und der ganze andere Scheiß sind und kann dementsprechend auch mit Zahlen umgehen und mitreden. Außerdem wurde ich über Jahre mit BWL, Rechnungswesen und Wirtschaftspolitik gequält. Dementsprechend kann ich gleichzeitig auch etwas über Wirtschaft und Geschäftsmodelle sagen. So!

Wer es bis hier unten durchgehalten hat: Oh Gott ich danke dir! Die Welt ist doch noch nicht verloren 😉 Ich hoffe, dass ich dich ein wenig zum Nachdenken anregen konnte 🙂

Bye…

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