Tierfotografie für Anfänger

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Nun vor einiger Zeit hatte ich ja besuch von der Verwandtschaft aus Bayern, aber davon erzählte ich ja schon. Nun möchte ich wie versprochen noch die Bilder vom Tierpark nachreichen.  Für mich war der Besuch äußerst Praktisch, schließlich Wohne ich gleich um die Ecke. Die Lästige fahrerei in die Innenstadt blieb mir an dem Tag jedenfalls erspart. Durch die Tatsache, dass ich in wenigen Tagen meinen Urlaub an der Nordsee antreten werde, wo ich mich vor allem mit dem Fotografieren der seltenen Vogelarten und Robben verbringen werde, macht es natürlich Sinn einmal etwas über die Grundlagen der Tierfotografie zu erzählen.

Da ich sowieso schon sehr viel Zeit mit der Tierfotografie verbringe, ist so ein Besuch im Zoo auch ganz interessant, schließlich hatte ich mir diesen schon länger vorgenommen. Nein, er ist schneller, einfacher und, naja Langweiliger! Ich brauchte nicht stundenlang im Gebüsch zu hocken um etwas gutes vor die Linse zu bekommen. Manche Tiere sind sogar schon so an den Menschen gewöhnt, dass ich immer das Gefühl hatte sie würden extra in Pose gehen, wenn ich die Kamera hob.

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Die wirkliche Kunst bei Aufnahmen im Zoo besteht natürlich darin, dass niemand erkennen soll das man sich im Zoo befindet. Dazu muss man sich natürlich abseits von der Masse bewegen und auch ein wenig Geduld haben. Und man muss sich verrenken können für bestimmte Kameraperspektiven. Kurz, auch wenn einen die Motive schon auf dem Präsentierteller serviert werden, darf man beim Fotografieren nicht Faul sein. Wenn Ihr das beherzigt dann klappt es auch mit den Facebook und Twitter Posts (Ick bin nun in Afrika bei der Safari angekommen 😉

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Besonders war es im Tierpark aber trotzdem. So gab es, anders als in anderen Zoo´s so gut wie keine Absperrungen. Viele Tiere, vor allem die Vögel (die ungefährlichen) flogen sogar frei umher. Die Affen  im Freigehege wurde nicht von Zäunen eingekreist und könnten wahrscheinlich Problemlos umherlaufen. Das war für mich schon beeindruckend.

Auch von der Fläche ist der Zoo sehr groß. Und wie zu erwarten natürlich auch von der Vielfalt. Alles, was sich zu sehen lohnt gibt es auch zu sehen. Nur die Preise für etwas zu essen (Hallo, Currywurst mit Pommes für 12 €) waren mal wieder ziemlich krass (dafür dass es nicht geschmeckt hat!). Vor allem weil ich am Tag zuvor am  Gendarmenmarkt für die Hälfe des Preises Currywurst von Büffel und Strauß gegessen hatte (war super lecker)!

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Und zum Abschluss noch ein paar kurze Worte zur Technik. Bei der Tierfotografie gibt es nicht wenige Punkte zu beachten. Ich werde einmal versuchen die wichtigsten aufzuzeigen. Bevor wir zu den Kameraeinstellungen kommen ist erst einmal das Objektiv dran.

Bei der Tierfotografie ist, wie ihr Euch sicherlich denken könnt eine hohe Brennweite gefragt. An einer Cropkamera solltet Ihr mindestens über ein eine maximale Brennweite von 200 mm verfügen. Habt Ihr eine Vollformat Kamera sollte es 300 mm sein (das entspricht vom Bildausschnitt etwa den 200 mm der Cropkamera). Ich hatte auf meiner D90 (Cropfaktor 1,6) mein 300er verwendet. Hätte ich eine Vollformat Kamera bräuchte ich schon fast ein 500 mm Objektiv um den selben Bildausschnitt zu erreichen.

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Natürlich könnt Ihr, wenn Ihr beispielsweise eine 24 Megapixel Kamera habt auch mit Bildausschnitten arbeiten, aber die Bilder werden trotzdem schlechter sein, als wenn Ihr mit hoher Brennweite arbeitet. Der Grund ist einfach der, dass Ihr die Schärfe wesentlich schlechter beurteilen könnt, weil Ihr mit dem fraglichen Objektiv ja nicht so weit rankommt.

Arbeitet Ihr mit hohen Brennweiten müsst Ihr höllisch auf die Belichtungszeiten achten. Die Faustregel besagt, dass die Belichtungszeit nicht länger als die Brennweite sein darf, um aus der Hand noch gute Bilder zu bekommen. Die längste Belichtungszeit, die ich mit meinem 300 mm also einstellen darf ist 1/300! Ich persönlich habe dazu noch die Erfahrung gemacht, dass die Belichtungszeit noch kürzer sein muss wenn ich eine Kamera mit vielen Megapixel bediene (also beispielsweise die 24 MP einer D7100). Die Megapixel liegen auf dem Sensor viel dichter beeinander als beispielsweise die 12 MP meiner D90. Selbst bei kleinen Zittern ist es also wahrscheinlicher dass sich die Pixel der D7100 überlappen (also für unschärfe sorgen), als die der D90.

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Plant hier also ruhig noch ein bisschen Luft ein und belichtet kürzer (kurz: Verlasst Euch nicht zu sehr auf den Bildstabilisator!). Damit kommen wir zur Lichtstärke, den größten Feind den Ihr als Tierfotograf habt. Machen wir es kurz: Alle Lichtstarkten Supertele die es gibt sind unflexibel und unbezahlbar. Das Nikkor 300 mm f2.8 kostet mal eben knappe 6.000 €. Und es ist außerdem eine Festbrennweite. Ihr habt damit zwar ein Super Objektiv mal genialen Abbildungsleistungen, aber  ihr seid damit auch wahnsinnig unflexibel, weil es eben eine Festbrennweite ist (Ihr könnt nicht zoomen). Außerdem möchte ich das Dings nicht den ganzen Tag um den Hals hängen haben!

Das Problem ist, dass es beispielsweise im Wald viel weniger Licht gibt als Ihr denkt. Das Menschliche Gehirm kompensiert das, weil es eine art automatischen ISO Regler eingebaut hat. Wenn Ihr aber bei einer Tour durch den Wald mal einen Blick auf den Belichtungsmesser eurer Kamera werft, werdet Ihr erschrecken wie wenig Licht zur Verfügungs steht. Und dazu kommen ja noch die sehr kurzen Belchtungszeiten durch die Faustregel! Letztendlich müsst Ihr, wie ich auch wenn es nicht anders geht geht mit Offenblende bei hoher ISO fotografieren. Das bedeutet immer einen Verlust der Abblildungsqualität durch die Offenblenden und ein wenig mehr Rauschen durch die Signalverstärkung.

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Damit muss man aber leider leben. Die Bilder die Ihr hier seht wurden teilweise mit ISO 1600 aufgenommen! Besonders gut sieht man das an den Tiger und den Reptilien…

Genug zum Objektiv. Nun erzähle ich etwas zu den Kameraeinstellungen, die ich meist verwende. Da ich meine Kamera blind bedienen kann und auch recht schnell bin, nutze ich meist den Manuelle Modus (M). Die ISO stelle ich auch Manuell ein. Wenn Ihr mit Eurer Kamera noch nicht so vertraut seid, oder aber ständig ins Menüs gehen müsst, wie es bei den Einsteiger DSLRs ist, empfehle ich die Zeitpriorität. Damit könnt Ihr sicherstellen, dass die Faustregel bezüglich der Brennweite eingehalten wird, Ihr also auf jeden Fall scharfe Bilder bekommt.

Tierpark_Berlin_04_2014_015Bei der Tierfotografie kann es manchmal sehr schnell gehen, weshalb ich auf jeden Fall empfehle den Kontinuierlichen Autofokus einzuschalten (AF-C). Manchmal gehe ich auch dazu über selbt scharfzustellen. Der AF-C ist etwas Tricky weswegen ich Euch raten würde die Serienbildfunktion der Kamera zu benutzen um sicherzustellen dass auch das perfekte Bild dabei ist. Ich wechsel an meiner D90 immer zwischen den schnellen und langsamen Serienbildmodus (je nachdem:).

Damit ich meine Bildkompositionen selber festlegen kann deaktiviere ich meistens die Automatische Messfeldgruppierung. Schließlich will ich beim Fotografieren ja nicht, dass irgendwelche Fokuspunkte leuchten! Mit dem Steuerkreuz kann ich sehr gut einstellen, auf welchem Fokuspunkt die Kamera scharf stellen soll. Auf diese Weise könnt Ihr eure Bilder besser Komponieren, beispielsweise nach den Goldenen Schnitt.

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Und zu guter Letzt braucht es noch jede Menge Geduld. Jedenfalls wenn Ihr nicht im Zoo seid. Aber die Belohnung ist dafür umso größer! Im freien zu sein und dabei den Tieren manchmal so nahe zu kommen ist es extrem bewegendes Gefühl. Ich kann jeden nur raten es einmal mit der Tierfotografie zu versuchen :).

Ich hoffe dass ich Euch der Artikel gefallen. Vieleicht habt Ihr nun auch einmal Lust es mit der Tierfotografie zu veruschen. Habt Ihr noch fragen, oder wollt Ihr vielleicht mal eine Tour zusammen mit mir machen? Kein Problem, hier könnt Ihr kontakt zu mir aufnehmen.

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Im nachfolgenden findet Ihr noch einmal alle Bilder, die ich aufgenommen habe. Aus Platzgründen habe ich sie heruntergerechnet, so dass sie nicht in voller Auflösung zu sehen sind.

Um ein Bild in groß anzuzeigen, müsst Ihr einfach nur darauf klicken.

Ich wünsche Euch viel Spass mit den Bildern 🙂

 

Euer Mario

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