Raue Nordsee Teil 1

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Dieses Jahr hatte ich mir ja vorgenommen abseits von den vielen Wochenendtrips auch einmal einen vollwertigen Urlaub zu machen. Und da meine Liebe Mama so selten verreist bot ich Ihr an gemeinsam zu fahren. Nach vielen Diskussionen im Vorfeld kamen wir auf den gemeinsamen Nenner „Nordsee„. Dort waren wir beide noch nicht und ich wollte sowieso schon immer einmal Ebbe und Flut sehen.

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Kurze Pausen müssen immer mal sein. Vor allem bei 30 Grad im Schatten.

Also ging es dann am 08.06 an die Nordsee, genauer gesagt nach Büsum. Unweit von den Ort mündet die Elbe in die Nordsee. Nach Tagelangen Recherchen über die Örtlichkeiten hatten wir im Vorfeld auch schon einen Rahmenplan gemacht. Kurz gesagt sollte folgendes Unternommen werden:

  • Ebbe und Flut erleben
  • Wandern im Wattenmeer
  • Die lokalen Tierarten (Kegelrobben, Austerntaucher, Basstölpel, Trottellummen) beobachten und Fotografieren
  • Zeitraffer Aufnehmen
  • Shoppen gehen und die Atmosphäre in der Küstenstadt genießen
  • Jeden Tag frischen Fisch, Krabben etc. essen 🙂
  • Ein Ausflug auf die Hochseeinsel Helgoland

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Wir hatten uns also für eine Woche richtig viel vorgenommen. Und nach der ca. 6 Stunden langen Autofahrt war auch schon fast die Hälfte des ersten Tages vorbei. Zum Strand musste es natürlich trotzdem gehen. Warum fährt man denn wohl auch ans Meer. Als wir die Treppe zum Deich erklommen hatten bot sich auch gleich ein Tolles Panorama. Es war gerade Ebbe und man konnte Kilometerweit in das Wattenmeer blicken. Das war schon mal der erste Punkt, weshalb ich an die Nordsee wollte. Zum Chillen am Strand oder baden im Meer gibt es natürlich bessere Orte. Die Nordsee ist rau, es gibt viel zu sehen, vor allem Natur.

Kilometerweit Watt

Kilometerweit Watt

Also gleich mal die Schuhe ausziehen und rein ins Watt! Die vielen kleinen „Hundehaufen“, welche von den Wattwürmern stammen, die dort ständig den Boden umgraben haben mich auch nur kurz abgeschreckt. Ganz vorne an der Küste ist der Grund schon fast trocken und hart. Je weiter man aber auf das Meer hinausläuft, desto tiefer versinkt man im Watt. Es war angenehm warm und tat den Füßen gut, fast wie eine Massage. Und der Tatsache dass dieser Strandabschnitt eher für Touristen war zum Trotz konnte man viel Leben entdecken. Neben den Wattwürmern, die man von Zeit zu Zeit an der Oberfläche sah tummelten sich auch kleine Krebse auf dem Untergrund. Aber gekniffen wurde anscheinend keiner der Touristen (jedenfalls habe ich niemanden schreien hören).

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Wir liefen eine Weile langsam durch das Watt und ließen die Landschaft auf uns einwirken. Völlig neu war sie, befremdlich und schön zugleich. Nach einer Stunde kam langsam die Flut. Sie war anders als ich sie mir vorgestellt hatte. Man konnte sie richtig sehen. Es war eine einzige Welle, die sich Kontinuierlich in Richtung Küste bewegte. Wenn man langsam vor sich hin schlenderte konnte man schon mit der Welle mitlaufen. Und sie hörte einfach nicht auf. Ich bin ein paar hundert Meter mit ihr mitgelaufen und blieb dann stehen. Einfach nur so um zu spüren wie das Wasser immer weiter an meinen Beinen hochsteigt.

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Die Flut kommt

Es war schon ein irres Erlebnis so etwas hautnah erlebt zu haben. Da es nun schon langsam in den frühen Abend ging, verließen wir den Strand und machten uns in Richtung Hafen auf. Einfach mal ein bisschen die Stadt erkunden und den ersten frischen Fisch essen! Im alten Hafen erlebten wir dann auch noch ein kleines Volksfest. Alles war schön inszeniert in Traditionellen Trachten und Tänzen. Es war auf jeden Fall schön anzusehen aber allzu lange konnten wir dort nicht stehenbleiben. Wir waren einfach schon zu fertig.

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Die erste Flutwelle

Als wir am Abend auf dem Rückweg noch einmal am Deich entlanggingen bot sich ein vollkommen anderes Bild. Da wo ich wenige Stunden zuvor noch auf dem trockenen Stand war das Wasser nun schon fünf Meter tief und ich wäre versunken. Die Nordsee vermittelt ein Gefühl von Veränderung und Vergänglichkeit.

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Am zweiten Tag ließen wir es dann etwas langsamer angehen. Mich plagte nach wie vor ein gewaltiger Sonnenbrand, den ich mir zwei Tage zuvor bei einer Spreerundfahrt zugetragen hatte. Drei Stunden in der prallen Sonne ohne jeglichen Schutz war keine gute Idee gewesen. Den Vormittag verbrachten wir komplett in der Ferienwohnung und reflektierten über die ersten Eindrücke vom Vortag. Gegen Mittag reichte dann aber und so machten wir uns auf den Weg. Ich trug noch eine Ordentliche Schicht Feuchtigkeitscreme auf und schlüpfte in meine Weiße Jeansjacke um meine Verbrannte Haut vor der Sonne zu schützen. Bei Sommerlichen 30 Grad hatte die Jacke noch einen ungemeinen Vorteil wie ich später herausfinden sollte. Weil sie Weiß war, reflektierte sie jede Art von Wärme und es war, zumindest für mich immer schön kühl.

der Museumshafen

der Museumshafen

Für den zweiten Tag hatten wir uns vorgenommen die Umgebung ausführlich zu erkunden. Also gingen wir wieder über den Damm in Richtung Stadt. Das Wetter war warm, sonnig aber für die Nordsee typisch Rau. Es ging ein wahnsinnig kräftiger Wind. Aber von so etwas lassen wir uns natürlich nicht abhalten.

Raue See, starker Wind

Raue See, starker Wind

Zuerst machten wir einen Rundgang um die Stadt herum, Richtung Hafenbauten. Dort gab es die Station der Seenotrettung, das große Schleusentor zum Hafen und zwei kleine Leuchttürme. Und wie eigentlich überall ein wunderschönes Landschaftspanorama. Man konnte Kilometerweit in alle Richtungen blicken und es war einfach herrlich die frische Meeresluft einzuatmen. Auf den Stahlträgern, die aus dem Wasser herausragten brüteten Möwen und von den Leuchttürmen aus sah ich die Uferaufbauten neben der Stadt.

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Aus der Entfernung war dort keine Menschenseele zu sehen. Und bei Ebbe ragte das Wattenmeer fast doppelt so weit in das Meer herein als bei den Touristenanlagen von denen wir kamen. Es ging bis zum Horizont und schien überhaupt nicht mehr aufzuhören. Da ich ja in erster Linie die Natur erkunden wollte, kam mir diese Einsame Landschaft die ich dort sah natürlich viel gelegener als die Überfüllten Touristenanlagen. Ich schlug Mutter also vor, dass wir dieses Gebiet am heutigen Tag erkunden sollten. Sie war erst Skeptisch und meinte, dass dort ein Betreten gar nicht möglich wäre (Schließlich waren dort ja auch keine Menschen so Ihre Argumentation).

Hinter den Leuchturm beginnt das Niemandsland

Hinter den Leuchtturm beginnt das Niemandsland

Da sich bei uns langsam der Hunger bemerkbar machte, beschlossen wir, uns später einen Weg zur „Einsamen Landschaft“ zu suchen. Zuerst sollte es Richtung Stadt gehen. Statt durch die Einkaufspassagen zu ziehen, gingen wir erst einmal zum Museumshafen und suchten uns ein passendes Restaurant. Was es leckeres gab? Na was denkt Ihr wohl?! Frischen Fisch. Mutter verspeiste einen Backfisch und ich genehmigte mir einen Nordseeteller mit fünf verschiedenen Sorten Fisch. Das war ja soooooo lecker!!

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der Museumshafen bei Ebbe

 

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der Museumshafen bei Flut

Im Anschluss betrachteten wir noch einmal ausführlich den Museumshafen, denn am Tag zuvor waren wir dazu einfach schon zu fertig. Zu sehen gab es einen alten Leuchtturm mit technisch beeindruckenden Daten (für die damalige Zeit) und viele alte Schiffe und Boote die vor Anker lagen. Bei einer kleinen Reederei konnten wir auch schon unsere Tickets für die Tour nach Helgoland buchen. Am Dienstag sollte es losgehen. Da es nun schon Nachmittag war und wir doch schon einige Kilometer runter hatten und deshalb momentan nicht so Lust zu Laufen hatten, buchten wir gleich noch eine Tour zu Fangfahrt. Diese begann auch schon eine halbe Stunde später.

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Dabei ging es mit einen Krabbenkutter eine gute Stunde lang aufs Meer. Und gefangen wurde dabei tatsächlich auch etwas. Das Netz wurde heruntergelassen und die Fischer begutachteten im Folgenden den Fang und gaben Informationen über die verschiedenen Spezies, die so ins Netz geraten waren. Die Artenvielfalt war wirklich interessant anzusehen und anzuhören.

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Die kleinen Krabben die gefangen wurden, landeten auch gleich im Topf (gekocht im reinen Nordseewasser). Anschließend konnte jeder die Tiere von ihrer Schale trennen und verspeisen. Frischer geht es wirklich nirgendwo. Neben diesen kleinen leckeren Snack hatte wir alle danach die Gelegenheit das Meer zu genießen. Das Meer lässt sich auch am besten genießen, wenn man wirklich auf dem Meer ist. Aber die Fahrt war wirklich viel zu schnell vorbei.

Lecker!

Lecker!

Als wir wieder am Hafen angekommen waren, waren wir auch wieder relativ ausgeruht. Also überredete Ich Mutter doch noch einmal nach dem „Einsamen Land“ von vorhin zu suchen. Begeistert war Sie nicht unbedingt, schließlich war der einsame Landfleck doch Kilometerweit entfernt und wir konnten uns nur nach der groben Himmelsrichtung Orientieren. Wir zogen also los, weiter Richtung Hafen. Dabei handelte es sich jedoch nicht um den Touristenhafen, sondern um den „richtigen“ Hafen, den Industriehafen. Hier Arbeiten die Menschen, die hier wirklich Leben. Sie versorgen in erster Linie die Restaurants mit täglich frischen Meereswesen.

Der Industriehafen

Der Industriehafen

Der Kontrast zur Touristenwelt war wirklich gewaltig. Es war einfach realer als die heile Touristenwelt! Ich bin ja Fasziniert von Industriegebieten und die besondere Atmosphäre welche sich in solchen finden lässt. Touristen waren hier nicht gerne gesehen, aber davon ließen wir uns nicht stören. Auf dem Weg entdeckten wir neben dem reinen Industriegebiet auch weitere Attraktionen.

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Wir sahen:

  • einen Schuh Werksverkauf (welchen ich mir gleich vormerkte)
  • eine kleine Schiffswerft gleich vor dem Industriehafen
  • einen riesigen Campingplatz gleich hinter den Hafen
  • Das Freizeitcenter „Blanker Hans“ (so werden die Stürme an der Nordsee genannt), welches ich mir auch gleich vormerkte
  • eine Go Kart Bahn hinter einer einsamen Landstraße kurz vor dem Niemandsland

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Nach all diesen Dingen hatten wir unser Ziel fast erreicht. Wir konnten schon den Deich sehen. Wir gingen Ihn entlang und suchten einen Zugang. „Betreten auf eigene Gefahr“ war dort am Zugang zu lesen. Betreten auf eigene Gefahr ist immer noch besser als Betreten verboten scherzte ich als ich das Tor öffnete.

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Mutter war zwar noch etwas Skeptisch, folgte aber wenige Minuten nach mir. Oben hatten wir unser Ziel erreicht. Wir waren im Niemandsland. Es waren keine Menschen weit und breit zu sehen. Das Wattenmeer war hier auch viel gewaltiger als in der Touristengegend. Das war der Perfekte Ort um die Zeitrafferaufnahmen zu drehen. Hier würde garantiert niemand ins Bild laufen, weil hier niemals Menschen entlanggingen. Ich fand diese Tatsache schade und freute mich aber zugleich. Hier war die Landschaft noch unberührt. Es war eine tolle Kulisse!

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Da nun schon langsam die Dämmerung hereinbrach und wir quasi in der freien Wildbahn waren, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Schließlich war es eine Ordentliche Strecke, die wir zur Stadt zurück mussten. Diesmal mussten wir jedoch nicht den Spießrutenlauf durch den Hafen machen (der nun eh schon geschlossen war) sondern fanden einen besseren Weg. Gute 1,5 Stunden waren wir aber trotzdem unterwegs bis wir wieder an unserer Ferienwohnung waren.

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Wir erkundeten noch ein wenig das Bauland an unseren Strandabschnitt. Dort entstanden zwei Hochhäuser. Der Bauzaun, welcher das Gelände umgab wurde umgeworfen, sodass man einfach hineingehen konnte. Die Chance ließ ich mir natürlich nicht nehmen.

Wir schlenderten um den gewaltigen Bau herum und kamen durch eine kleine Meeresschleuse zur abgetrennten Familienlagune. Da es nun schon recht spät war, sah man auch hier keine Menschenseele mehr. Nur einige schwarze Austerntaucher machen sich über die Muscheln her, welche sie sich aus dem Meer gefischt hatten. Nun wurde es langsam kalt und wir beschlossen zurück zum Ferienhaus zu gehen. Auf den Füßen konnten wir uns eh kaum noch halten nach den vielen vielen Kilometern welche wir heute gewandert sind.

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In der Ferien Wohnung viel ich auch gleich ins Bett und schlief sofort ein. Nach dem Tag tat mir einfach alles weh! Ich war erschöpft aber glücklich. Die Landschaften, die Tiere, das Essen, eben die gesamten Erlebnisse des Tages waren die erlittenen Strapazen allemal wert. Am Schlafen hinderten mich auch die schmerzenden Füße und der brennende Sonnenbrand nicht.

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Der zweite Tag war geschafft und er war wirklich wunderschön.

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Ich hoffe doch sehr, dass Ihr Spass dabei hattet das erlebte zu verfolgen. Ich jedenfalls hatte irre viel Spaß beim Schreiben, denn so kamen noch einmal die ganzen Erinnerungen detailliert hoch.  Bald folgt der nächste Teil meiner Nordseereise!

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Im nachfolgenden findet Ihr noch einmal alle Bilder, die ich aufgenommen habe. Aus Platzgründen habe ich sie heruntergerechnet, so dass sie nicht in voller Auflösung zu sehen sind.

Um ein Bild in groß anzuzeigen, müsst Ihr einfach nur darauf klicken.

Ich wünsche Euch viel Spass mit den Bildern 🙂

Euer Mario

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