Zeitrafferfotografie Teil 1

Ich beschäftige mich ja schon seit längerer Zeit mit der Erstellung von Zeitraffer Videos. Nun habe ich zum Ende der Saison bei einer Tour der Cruiser-MAAB noch einmal die Kamera auf das Motorrad geschnallt und einen Hyperlapse fotografiert.

In dieser Artikelreihe möchte ich erläutern, was Zeitraffer sind, wie sie entstehen und was man dabei alles beachten muss. Dazu gehe ich natürlich auch auf die Produktion meines Videos ein und präsentiere Euch einige Beispiele von bekannten Zeitraffer Fotografen.

Im ersten Teil werden wir einmal die Grundbegriffe erläutern.

Viel Spass!

Was sind Timelapse Videos?

Timelapse Videos, also Zeitraffer lassen sich eigentlich ganz einfach beschreiben. In der klassischen Zeitraffer Fotografie stellt man langsame, für das menschliche Auge kaum wahrnehmbare Abläufe schnell dar. Das kann zum Beispiel das Wachsen von Pflanzen, Sonnen- oder Mondaufgang oder auch die Rotation der Erde sein. Das Quellmaterial besteht, trotz der Tatsache, dass es sich beim Endprodukt um ein Video handelt aus einzelnen Fotos. Ja, Zeitraffervideos werden fotografiert, indem die Kamera in einem bestimmten Intervall Aufnahmen, beispielsweise im 2- oder auch 20 Sekunden Rhythmus anfertigt (mehr zu den Aufnahmetechniken dann im vierten Teil). Warum dies so gemacht wird hat mehrere Gründe.

Zum einen macht es keinen Sinn viele, viele Stunden an Videomaterial anzusammeln, welches dann einfach in der Postproduktion nur verkürzt wird, ganz einfach weil erstens enorme Menge an Daten anfallen (viele hundert Gigabyte in Full-HD) und auch die Bearbeitung durch diese hohe Datenmenge schlicht an ihre Grenzen kommt. Das heißt also, dass richtig lange Zeitraffer aufnahmen auf diese Weise gar nicht möglich sind.

Diese Erfahrung habe ich Anfang dieses Jahres gemacht, als ich für eine Eventagentur das Videomaterial von einer Veranstaltung aufarbeiten musste. Darin waren teilweise auch kurze Zeitraffer Sequenzen enthalten, in denen selbst professionelle Programme wie Sony Vegas 12 an ihre Grenzen kamen. Der Grund dafür liegt darin, dass Videos meist mit einer Bildwiederholrate von 30 Bilder/Sekunde aufgenommen werden. Wenn man die Videos in der Postproduktion also zu sehr zusammenquetscht, verliert man massiv an Bildqualität, da immer mehr Frames übersprungen werden müssen.

Ein anderer Grund Zeitraffer lieber zu fotografieren, als per Video aufzunehmen, liegt daran, dass Kameras (also Fotoapparate), wesentlich mehr Freiheiten bei der Aufnahme bieten als Camcorder. Zusätzlich bieten moderne Kameras, die in der Lage sind Bildmaterial im Raw Format aufzunehmen auch in der Nachbearbeitung mehr Freiheiten, denn schließlich kann man mit Raw Daten, wie jeder weiß eine ganze Menge anstellen.
Das mehr an Freiheit fängt bei den manuellen Belichtungseinstellungen an und hört bei dem wesentlich höheren Dynamikbereich der Kameras auf. Außerdem übertreffen die Sensoren der Spiegelreflexkameras in der Auflösung selbst die aktuellen 4k Camcorder um Längen!

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Programmierbarer Intervall Fernauslöser

Klassische Timelapse Fotografie

Neben der eben erläuterten Grundtechnik möchte ich jetzt vor allem den Stil und die Aufnahmetechnik der klassischen Zeitraffer Fotografie ganz grob kurz erklären.

Die Kamera ist bei dieser Art der Zeitraffer Fotografie fest auf einem Stativ platziert und ändert Ihren Standort nicht. Um dennoch ein wenig Dynamik in das Video zu bekommen, wird zwischen Kamera und Stativ oft eine Schiene platziert. Diese kann eine Länge von bis zu zwei Metern haben. Auf der Schiene fährt die Kamera dann, von einem elektrischen Motor angetrieben um die Position zu verändern. Das Stativ selbst bewegt sich aber nicht.

Diese Technik erfordert allerdings sehr viel Equipment und ist, je nach Umfang der Ausstattung auch nicht immer leicht zu transportieren. Wenn solch eine schiene nicht zur Verfügung steht, kann man in der Postproduktion auch die Möglichkeit nutzen und Bildausschnitte verwenden. Da heutige Kameras eine entsprechend große Auflösung haben, sollte dies kein Problem darstellen. Bei meiner Nordseereise, habe ich diese Technik verwendet und einfach den Bildausschnitt rein- und rausgezoomt (leider waren die Ergebnisse ja etwas unscharf, weil mir ständig Schafe gegen das Stativ gerammelt sind:).

Im Grunde eignet sich für die klassische Zeitraffer Fotografie alles, was sich bewegt, aber für das menschliche Auge nicht, oder kaum wahrnehmbar ist. Die oben genannten Beispiele sind so die klassischen Anwendungsgebiete, wie man Sie oft sieht. Die Videos wirken sehr ruhig und entspannend, sind aber dennoch beeindruckend. Das Auge des Betrachters wird mit der schnellen Bildfolge, oder den Bewegungsablauf nicht überfordert. Entsprechend zur Bildwirkung sind die Videos der klassischen Zeitraffer Fotografie meist mit langsamer, entspannender Musik unterlegt, welche fast mystisch klingt.

Im Anschluss könnt Ihr einige Bilderspiele für klassische Timelapse Videos finden. Die Videos stammen von der National Geopraphic und Gunther Wegner, dem bekanntesten Produzenten von Zeitraffer Videos hier im Lande. Außerdem ist zum Schluss noch mein erster beschaulicher Versuch zu sehen, der im März dieses Jahres entstand. Ziemlich unspektakulär, aber Übung macht ja bekanntlich den Meister!

Im nächsten Teil stelle ich Euch dann das zweite Anwendungsfeld der klassischen Zeitraffer Fotografie vor. Danach kommen wir vom Timelapse zum Hyperlapse, in den Ihr auch mein Video findet.

Und allen von Euch, die sich für die Aufnahmetechniken und den Dingen, die man beim Fotografieren eines Zeitraffers beachten muss interessieren, keine Panik, das werde ich im dritten Teil ausführlich erläutern! Und ja, auch der Workflow in der Postproduktion kommt dran! :)

Bis zum nächsten Mal

Euer Mario

Hier geht es zum zweiten Teil!

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