Zeitrafferfotografie Teil 2

Hallo Leute. Ich habe nun die wichtigsten Dinge erklärt und bin wieder zurück. Nun möchte ich gerne mit meiner begonnenen Reihe über die Zeitrafferfotografie fortfahren.

In der ersten Folge habe ich ja schon die technischen Grundlagen erklärt, sowie einen Anwendungsfall der klassischen Zeitrafferfotografie genannt und Beispiele gezeigt.

Jetzt geht es weiter im Programm! Wir verbleiben jedoch noch kurz bei der klassischen Zeitrafferfotografie. Denn hier gibt es neben den im ersten Artikel genannten (und auch gezeigten) Anwendungsfall noch einen weiteren.

Klassische timelapse Fotografie die Zweite!

Statt langsame, für das menschliche Auge nicht, oder nur kaum sichtbare Vorgänge in einem Zeitrafferfilm zu beschleunigen, kann man dies auch mit schnellen Vorgängen tun. Dabei wechselt meistens auch gleich die gesamte Szenerie.

Euch ist wahrscheinlich aufgefallen, dass die Beispielvideos in meinem ersten Artikel ausschließlich Abläufe aus der Natur dargestellt haben. Ist verständlich, laufen doch in der Natur viele Sachen nur langsam ab (Sonnen/Mondbewegung, Ebbe-Flut, Erdrotation, Wolkenbewegung und und und). Hier ein geeignetes Motiv zu finden scheint nicht besonders schwer zu sein. Da Ausnahmen auch hier die Regel bestätigen, muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass man natürliche Vorgänge auch in einer urbanen Umgebung Zeitraffern kann. Aber meistens vermischen sich in einem solchen Zeitraffer die beiden Anwendungsgebiete, sodass auch schnelle Vorgänge wie Menschenmassen oder der rollende Verkehr beschleunigt werden.

Die Bildwirkung des Zeitraffers ist dann allerdings eine andere, als in der freien Natur. Der Film würde weniger ruhig, sondern mehr hektisch wirken. Die Musikalische Untermalung eines solchen Zeitraffers würde von langsamen Rhythmen in schnelle übergehen. Ich denke, dass nachfolgende Beispiel kann meine Ausführungen verdeutlichen (in der Mitte des Videos findet Ihr auch bereits eine kurze Hyperlapse Sequenz):

Will man hingegen schnelle Vorgänge mittels einem Zeitraffer noch weiter beschleunigen, muss man, wie Ihr im Beispiel gesehen habt meistens wieder zurück in die Zivilisation kommen. Denn hier ticken die Uhren ja bekanntlich etwas schneller. 🙂

Da ich die Bildwirkung ja weiter oben bereits beschrieben habe und Ihr Euch dazu ein Beispiel anschauen konntet erspare ich Euch jetzt weitere Ausführungen. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass die Aufnahmetechniken trotz der unterschiedlichen Bildwirkungen dieselben sind. Es wird also mit demselben Equipment gearbeitet wie, das auch bei den ruhigen Zeitrafffern in der Natur benutzt wird. Die genauen Aufnahmetechniken und worauf Ihr alles achten müsst beschreibe ich dann im nächsten Artikel der Serie.

Das eben gezeigte Video dürfte Euch (und auch mir) genug Inspiration für solch einen Zeitraffer gegeben haben. Ich habe jedenfalls vor, die kurze Zeit in der ich noch in Berlin lebe zu nutzen und noch einen Berlin Zeitraffer zu erstellen. Ob ich das auch schaffe (vor allem zeitlich) ist aber noch ungewiss.

Ansonsten sind drei generelle Motive immer beliebt und lohnenswert beschleunigt zu werden.

  • Menschenmassen vor Sehenswürdigkeiten (z. B. Alex, Brandenburger Tor etc.)
  • Rauschender Verkehr (Landsberger Allee, Straße des 17. usw.)
  • Skyline (in Berlin eher schwierig…)

 Hyperlapse!

Nachdem wir nun mit der Klassischen Zeitrafferfotografie fertig sind kommen wir zum Hyperlapse. Keine Panik, das ist kein pseudo- Techno Gesang wie er aus Deutschland bekannt ist.

Der Unterschied zwischen Hyperlapse und Timelapse ist eigentlich ganz einfach. Während beim Timelapse die Kamera immer an einer festen Stelle steht und sich maximal ein paar Zentimeter über eine Schiene bewegt ist dies beim Hyperlapse ganz anders.
Denn hier bewegt sich die Kamera bzw. das Stativ auf dem die Kamera angebracht ist über mehrere Meter. Bei extremen Beispielen kann sich die Kamera sogar über mehrere Hundert Meter bewegen.

Solch ein extremes Beispiel möchte ich auch gleich einmal mit einem wirklich beeindruckenden Hyperlapse aus Moskau zeigen.

So, nachdem Euch jetzt die Kinnlade heruntergeklappt ist, können wir uns die Grundtechniken des Hyperlapse etwas genauer ansehen. Als einziger Unterschied zum normalen Timelapse kommt hier also noch die Bewegung dazu. Da sich die Kamera teilweise über mehrere hundert Meter bewegen kann (je nachdem wie ambitioniert das Projekt ist), fallen die Werkzeuge, wie etwa eine bewegliche schiene, wie sie beim Timelapse benutzt werden aus.

Folglich müssen bei der Bewegung alle Arbeitsschritte von Hand gemacht werden! Ihr sucht Euch also Euer Motiv aus, bereitet in der Kamera alle nötigen Arbeiten vor (Intervalleinstellungen und Belichtung), schraubt die Kamera auf Euer Stativ und legt los. Bitte beachtet, dass Ihr auch genug Platz habt, um Euch zu bewegen. Schließlich müsst Ihr ja für das spätere Video eine gewisse Strecke zurücklegen. Ich habe am Anfang den Fehler gemacht und wollte meinen ersten Hyperlapse auf einer viel zu belebten Fußgänger Passage machen. Wie das ausgegangen ist, könnt Ihr Euch vorstellen. Der Hyperlapse ist nichts geworden, weil mein Stativ entweder dauernd angerempelt wurde, oder weil die Fußgänger permanent mein Motiv verdeckt haben.

Hier nun noch ein paar Grobe Tipps, wie Ihr die Aufnahme meistern könnt:

Damit Ihr in Eurem späteren Video eine einigermaßen ruhige Bildwirkung habt, sollte Ihr Euch einen Fixpunkt an Eurem Motiv suchen, an den Ihr Euch im Verlauf der Hyperlapse Session halten könnt. Das Kann ein Fenster, Balkon whatever sein. Hauptsache Ihr behaltet es immer im Auge. Ich handhabe es generell immer so, dass ich einen Fokuspunkt auf meinem gedachten Fixpunkt aktiv schalte.

Startet nun die Intervallaufnahme an Eurer Kamera und versetzt das Stativ nach jeder Aufnahme ein paar Zentimeter nach vorn. Nun müsst Ihr schnell sein. Sobald Ihr das Stativ versetzt habt, müsst Ihr die Kamera wieder so ausrichten, dass Euer Fixpunkt wieder in dem eingestellten Fokusfeld liegt.

Da so eine Hyperlapse Session mindestens eine halbe Stunde dauert und Ihr dabei die ganze Zeit voll gefordert seid, könnt Ihr Euch vorstellen, dass die ganze Geschichte sehr anstrengend ist.

Das waren jetzt nur ein paar ganz grobe Tipps, wie Ihr einen Hyperlapse aufnehmen könnt. Wirklich ins Detail gehe ich dann im nächsten Artikel, also keine Panik! 🙂

Dass ein Hyperlapse nicht immer so anstrengend anzufertigen sein muss, beweise ich Euch mal mit folgenden Video:

Bitte seht es Euch unbedingt in full HD an, sonst gibts Pixelbrei! 😉

Gut, dass ist jetzt ein sehr extremes Beispiel, weil hier die Kamera nicht nur wenige hundert Meter, sondern mehrere Kilometer zurückgelegt hat. Für diesen Hyperlapse habe ich meine Canon Kompakt knipse an mein Motorrad gehängt und über ein Custom Rom die Intervallaufnahme gestartet.

Da ich während der Fahrt die Kamera nicht bedienen konnte und Raw Aufnahmen mit der kleinen Knipse nur im 10 Sekunden Intervall möglich sind, waren sowohl Aufnahme, als auch Postproduktion mehr als knifflig. Das kann man sehr gut an verschiedenen Stellen im Video sehen (teils massiv über, teils unterbelichtet). Da ich die Bilder im JPEG Format aufnehmen musste, waren mir bei der Nachbearbeitung enge Grenzen gesetzt.

Genutzt habe ich hier übrigens den Manuellen Belichtungsmodus mit einer festen Verschlusszeit von 1/500, damit die Bilder während der Fahrt noch einigermaßen scharf sind. Fokus war manuell eingestellt und die ISO stand auf Automatik ( ISO 100-1600).

In der Nachbetrachtung zeigt sich, dass der Zeitraffer so schnell ist, dass das Auge beim Betrachten schon Probleme bekommt, dem Streckenverlauf zu folgen. Gut, das Video ist noch verbesserungswürdig (die nächste Motorrad Saison kommt ohnehin…) und soll ich nur als mahnendes Beispiel, gleichzeitig aber auch als Machbarkeit Studie für solch überambitionierte Projekte bieten.

 

Ich hoffe, dass Euch meine Erläuterungen und die gezeigten Beispiele etwas geholfen haben die Grundelemente von Timelapse und Hyperlapse zu verstehen. Vielleicht konnte ich Euch mit dem gezeigten Material auch etwas Inspiration für eigene Projekte geben.

Im nächsten Teil, der wohl noch etwas dauern wird, gehe ich genau auf die Aufnahmetechniken vor Ort und die Dinge auf die Ihr alles achten müsst ein. Ein kleines Video dazu ist auch geplant.

Bis dahin.

Euer Mario

Hier geht es zum dritten Teil!

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