Zeitrafferfotografie Teil 3

Hallo und willkommen zum dritten Teil meiner Reihe über die Zeitraffer Fotografie. Neben dieser Artikelreihe habe ich auch schon fleißig einige Sequenzen für meinen Berlin Zeitraffer aufgenommen. Über 2.000 Auslösungen in bis jetzt acht Sequenzen sind bereits über den Verschluss der D5100 bzw. D3100 gegangen.

Aber hier und jetzt möchte ich vor allem einen kurzen Überblick über das Empfohlene Equipment für die Zeitraffer Fotografie geben. Außerdem wollt Ihr nun bestimmt endlich erfahren, was an der Kamera eingestellt werden sollte, damit Ihr gute Ergebnisse erzielt. Na dann könnt Ihr Euch schon einmal über einen langen und ausführlichen Artikel freuen. 🙂

Oh und ich habe natürlich auch an all die Menschen gedacht, die keine Lust haben übermäßig viel zu lesen, sondern lieber bewegte Bilder sehen wollen. Dafür habe ich extra ein gut 35 minütiges Video produziert, in dem ich alle Feinheiten, die dieser Artikel bereithält ausführlich erläutere. Das Video verlinke ich jetzt mal gleich als erstes. Viel Spass! 😉

Da der Artikel bereits mit der Beschreibung des Equipments eine Epische Länge von fast 4.000 Wörtern hat, habe ich mich dazu entschlossen, die Kameraeinstellungen im nächsten Artikel zu erklären. Das Video werde ich dann aber noch mal Verlinken, da ich in diesem sowohl das Equipment, als auch die Kameraeinstellungen erläutere.

Welche Kamera sollte ich verwenden?

Im Prinzip könnt Ihr für Euren Zeitraffer jede digitale Kamera verwenden. Die Hauptsache ist jedoch, dass diese in der Lage ist Bilder in einer Intervallfunktion aufzunehmen. Für meine Motorrad Zeitraffer habe ich beispielsweise auf meine Canon PowerShot SX210 zurückgegriffen. Diese hat einen Manuellen Modus, sodass man die vollständige Kontrolle über die Kamera erhält. Leider hat Canon bei dieser Kamera aber kein Intervalometer integriert, so dass ich mich anders behelfen musste. Bei fast allen Kompaktkameras von Canon gibt es die Möglichkeit mithilfe einer Manipulierten SD Karte ein alternatives Betriebssystem (CHDK genannt) aufzuspielen. Mit diesem neuen Betriebssystem erhält die Kamera dann völlig neue Möglichkeiten.

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So ist es zum Beispiel nun möglich im RAW Format zu fotografieren und auch ein Intervallauslöser ist vorhanden. Für diesen kann man sogar kleine Skripte schreiben, die in der Kamera dann ausgeführt werden können. Und keine Angst, um wieder das alte Canon Betriebssystem zu bekommen muss einfach nur die SD Karte wieder gelöscht werden. Auch die Installation von CHDK ist sehr einfach und quasi ohne Probleme durchführbar. Wenn Ihr einfach den Begriff durch Google schickt, findet Ihr schnell heraus ob Eure Kamera von CHDK geeignet ist.

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Im Idealfall habt Ihr natürlich eine digitale Spiegelreflexkamera, die Ihr für Eure Zeitraffer versuche nutzen wollt. Damit profitiert Ihr ganz klar von den Möglichkeiten des RAW Formats und natürlich der Tatsache, dass Ihr die vollständige Kontrolle über die Kamera habt. Die weiteren Vorteile eine DSLR brauche ich an dieser Stelle wohl nicht zu nennen. An dieser Stelle muss ich Euch allerdings warnen. Wenn Ihr Euch ausgiebig mit der Zeitraffer Fotografie auseinander setzen wollt, müsst Ihr bedenken dass neben der vielen Zeit, die Ihr investieren müsst auch sehr viele Auslösungen auf die Kamera zukommen werden. Das heißt ganz klar, dass die Kamera schneller verschleißt. Für meinen Berlin Zeitraffer rechne ich Beispielsweise mit über 3.000 Auslösungen, die über den Verschluss gehen. Ich kann die Bedenken der Besitzer teurer Kameras daher sehr gut verstehen. Aber auch für dieses Problem gibt es eine Lösung!

Ich persönlich handhabe es so, dass ich Beispielsweise extra Kameras speziell für die Erstellung von Zeitraffern kaufe. Um die Kosten hier im Rahmen zu halten kaufe ich mir stets eine Kamera aus der Mittelklasse. Diese Kamera muss auch nicht aus der aktuellen Generation sein. In meinem Fall ist dies die Nikon D5100. Die Kamera hat zwar schon Nachfolger, ist aber trotzdem noch ein hervorragendes Arbeitsgerät, welches mit dem immer noch hervorragenden Sensor der D7000 ausgestattet ist. Außerdem besitzt sie dieses Fantastische Klappdisplay, was die Arbeit in ungewöhnlichen Perspektiven sehr erleichtert. Eine Kamera wie die D5100 bekommt Ihr gebraucht mit unter 2.000 Auslösungen für ca. 350 Euro. Damit meine ich jetzt natürlich nur das Kameragehäuse.

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Eine weitere Möglichkeit besteht, wenn Ihr vorhabt Eure aktuelle Kamera gegen eine neuere oder größere zu ersetzen. Anstatt die alte Kamera zu verkaufen könntet Ihr diese speziell für die Zeitraffer Fotografie einsetzen. Bei mir ist dies mit der D3100 so passiert. Je nachdem für welche Variante Ihr Euch entscheidet, gibt es natürlich noch ein paar Einzelheiten zu beachten. Ich kann jetzt nur von den Nikon Kameras reden, da ich keinerlei Canon DSLR´s besitze. Bei den Nikons ist es jedoch so, dass der interne Intervalometer (und auch andere sinnvolle Features) erst ab der 5×00 Serie eingebaut ist. Nutzt Ihr jedoch eine der kleinen 3×00 Einsteigerkameras habt Ihr das Problem, dass Euch die Möglichkeit zur Intervallauslösung mit den Bordmitteln fehlt. Generell würde ich von den Einsteigerkameras von Nikon abraten. Es fehlen einfach sehr viele Features und Komfortfunktionen die, wenn man sie einmal benutzt hat nicht mehr missen will. Ich kann Euch dagegen nur Raten die paar Euros zu investieren und gleich eine Kamera zu kaufen, die eine Klasse höher angesiedelt ist. Die D5x00 Serie kann ich hier nur wärmstens empfehlen. Wer aus Gründen des Budgets aber dennoch zu einer Kamera der 3×00 greift muss sich aber auch keine Sorgen machen, denn nur für ein paar wenige Euros gibt es Zusatzequipment, mit dem man wenigstens die Intervallfunktion nutzen kann.

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2. Welches Equipment benötige ich sonst noch?

Bei der Frage nach dem Equipment können wir dieses in zwei Kategorien einordnen. Zum einen natürlich das Equipment, das Ihr auf jeden Fall benötigt und danach die Sachen, die einfach nur Nice to habe sind.

Zwingend benötigtes Equipment

Das Objektiv

Fangen wir am besten mit den Dingen an, die Ihr für die Aufnahme eines Zeitraffers zwingend benötigt. Zuerst stellt sich natürlich die Frage nach dem Objektiv, welches ich für den Zeitraffer nehmen soll. Wenn Ihr jetzt nicht gerade bestimmte Sachen, wie einen Sonnenauf- oder Untergang in einem Zeitraffer festhalten wollt, rate ich dazu ein eher weitwinkliges Objektiv zu wählen. Ich benutze meistens Brennweiten zwischen 17 und 35 mm auf meinen Crop Kameras. Das hat den einfachen Grund, dass die Szenen mit weitwinkligen Objektiven wesentlich dramatischer Aussehen. Die Ausnahmen können hier natürlich die eben beschriebenen Sonnenauf- bzw. untergänge sein. Hier kann es durchaus vorkommen, dass ich eine Brennweite von 200 mm wähle. Bei hohen Brennweiten müsst Ihr natürlich bedenken, dass sich das Motiv, also in diesem Beispiel die Sonne, auch sehr schnell aus dem Blickfeld herausbewegen kann. Lasst in einem solchen Fall also noch genug Luft um die Wanderung der Sonne gut in Szene zu setzen.

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Da wir unseren Zeitraffer immer mit Offenblende aufnehmen (die Gründe dazu erläutere ich später), muss das Objektiv auch nicht besonders lichtstark sein. Die Ausnahme hier ist jedoch, wenn Ihr einen Zeitraffer in der Nacht aufnehmen wollt. Am Tag dagegen sind lichtstarke Objektive sogar eher hinderlich, denn sie können die Kamera auch schnell an Ihre Grenze bringen. Hinzu kommt bei dem Zeitraffer natürlich auch noch die 180 Grad Regel (dazu später mehr), welche Euch bei der Idealen Belichtungszeit in Relation mit dem Aufnahmeintervall und dem Motiv noch einige Grenzen setzen wird. Also vertraut mir an dieser Stelle und nehmt tagsüber ein mäßig lichtstarkes Objektiv. Ich verwende tagsüber beispielsweise sehr gerne mein Sigma 18-200 f3.5 – 6.3 II. Es ist mäßig lichtstark, weshalb es perfekt für mein Anwendungsgebiet ist. Außerdem habe ich auch eine große Auswahl, was die Brennweite betrifft, bin also recht flexibel damit. Es hat eine gute Abbildungsleistung (die meisten der Nordseebilder habe ich letztes Jahr mit diesem Objektiv gemacht) und ist bei Amazon aktuell für knapp 300,- Euro zu haben.

Wenn ich schon die Zeit investiere und einen Zeitraffer aufnehme, dann möchte ich natürlich auch so viel Bildmaterial zur späteren Verwendung haben wie nur irgendwie möglich. Aus diesem Grund habe ich dann immer auch eine zweite Zeitraffer Kamera dabei, mit der ich entweder dasselbe Motiv aus einem anderen Blickwinkel aufnehme oder aber mich auf ein anderes konzentriere. Oder aber ich habe meine normale Kamera zum Fotografieren dabei und gehe zwischenzeitlich immer mal auf eine kleine Fototour (geht natürlich nicht überall;). Auf diese Weise kann ich gleich doppelt produktiv sein. Und es gibt noch einen weiteren Effekt, den man nicht unterschätzen sollte. Nichts ist demotivierender, als wenn man eine Zeitraffersequenz euphorisch vorbereitet und gestartet hat und die Sache dann im Nachhinein in die Hose geht. Macht Ihr jedoch zwei Sequenzen gleichzeitig, kann also immer noch eine Sequenz gelingen.

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Wenn ich hingegen Zeitraffer in der Dämmerung oder gar in der Nacht aufnehme, greife ich gerne zu den folgenden Objektiven:

  • Nikkor 35 mm f1.8
  • Nikkor 50 mm f1.8
  • Sigma 17-50 mm f2.8

Allen drei Objektiven ist gemeinsam, dass sie eine fantastische Schärfe bieten. Die Festbrennweiten haben einen Vorteil bei der Lichtstärke, während man mit dem Sigma auf Kosten der Lichtstärke wesentlich flexibler Arbeiten kann. Habt Ihr Euch dann doch dazu entschlossen am Tage ein lichtstarkes Objektiv für Eure Zeitrafferaufnahmen einzusetzen, empfehle ich Euch die Benutzung eines starken Graufilters. Den Graufilter habe ich weiter unten unter dem Punkt „Nice to have“ aufgelistet.

Des Weiteren schrecke ich auch nicht vor der Verwendung des Kit Objektives bei Zeitrafferaufnahmen zurück. Das solltet Ihr übrigens aus folgenden Gründen auch nicht tun.

  1. Da ich sowieso immer gleich zwei Sequenzen aufnehme und natürlich deshalb allerhand Equipment zu tragen habe (2x Kamera, 2x Stativ, Speicherkarten, Akkus, Auslöser, Ladegeräte und und und), möchte ich mich auch nicht mit schweren Objektiven abschleppen.
  2. Der Finale Zeitraffer wird sowieso mit einer Auflösung von 1920 x 1080 ausgegeben und auch das Kit Objektiv ist natürlich locker in der Lage diese Auflösung auch auszureizen.

Ich denke, dass meine Aussagen zur Objektivwahl an dieser Stelle reichen um Euch eine vernünftige Entscheidungsgrundlage zu geben.

Das Stativ

Ein weiterer unersetzbarer Ausrüstungsgegenstand ist natürlich das Stativ. Sorgt es doch dafür, dass die 300 und mehr Auslösungen Eurer Sequenz immer aus der richtigen Perspektive aufgenommen werden. Ich habe jedenfalls noch niemanden gesehen, der einen Zeitraffer aus der Hand fotografiert und 300 und mehr Bilder aus der exakt gleichen Perspektive macht. Von der Anstrengung einmal ganz abgesehen. Außerdem ermöglicht Euch das Stativ natürlich auch die Verwendung von längeren Belichtungszeiten um die 180 Grad (dazu später mehr) Regel einhalten zu können.

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Die genauen Anforderungen an das Stativ hängen natürlich von dem eigenen Fotoequipment ab. Wenn ich beispielsweise Statische Zeitraffersequenzen aufnehme, verwende ich meistens entweder mein Cullmann Nanomax oder Concept one. Das sind eigentlich meine Reisestative, die ich zur Tierfotografie einsetze. Sie sind sehr flexibel und bieten mit 4 und 5 Kilogramm auch genug Spielraum bei dem Gewicht. Wenn ich aber beispielsweise einen Hyperlapse aufnehmen will, also das Stativ zwischen jeder Aufnahme ein Stück verschieben muss, sind die eben genannten Stative wie sich herausstellte eine schlechte Wahl.

In diesem Fall verwende ich lieber Stative, bei denen die Beine fest verstrebt sind. So ist gewährleistet, dass das Stativ schnell und sicher die Position wechseln kann. Als Nachteil müsst Ihr in Kauf nehmen, dass Ihr weniger flexibel damit seid. Ich verwende hier meistens ein Cullmann Alpha oder Cullmann Primax. Die Tragfähigkeit der von mir verwendeten Stative beträgt in meinem Fall aber nur 2,5 – 3,5 Kilogramm. Schwere Objektive sind hier also nicht möglich.

Ich denke, dass diese paar Anmerkungen zum Stativ ausreichen.

Der Intervalometer

Auch wenn Ihr an Eurer Kamera die Möglichkeit zur Intervallauslösung habt, solltet Ihr hier trotzdem weiterlesen! Denn zumindest bei Nikon ist es so, dass der Manuelle Modus mit dem internen Intervallauslöser eigentlich nicht nutzbar ist. Diese Erfahrung habe ich anhand meiner Hyperlapse Aufnahmen für den Berlin Zeitraffer gemacht. Da ich hier nach jeder Auslösung das Stativ verrücken musste, wollte ich meinen Externen Intervallauslöser nicht anschließen, weil es erstens eine gefährliche Kabelfalle gewesen wäre und zweitens weil ich natürlich beide Hände brauchte um das Stativ zwischen den Intervallen zu verschieben und dann die Kamera neu auszurichten.

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Einstellungen waren wie gesagt nicht möglich, der Bildschirm blieb die meiste Zeit über Schwarz. Und auch als ich versuchte die ISO oder Belichtungszeit zu verändern passierte nichts. Diese Erfahrungen basieren freilich auf der D5100, andere meiner Nikons habe ich in diesem Zusammenhang noch nicht ausgetestet (die D3100 entfällt hier ja, die sie keinen internen Intervallauslöser besitzt).

Wenn Ihr also den internen Intervallauslöser im Zusammenhang mit dem Manuellen Modus benutzen wollt, dann stellt am besten sicher, dass sich die Belichtungsszenerie in Eurer Sequenz so wenig wie möglich verändert. Ihr könnt auch vorsichtshalber etwas unterbelichten um in der Nachbearbeitung später noch etwas Spielraum zu haben.

Alternativ rate ich Euch in so einen Fall zur Verwendung des A Modus. Falls es bei Canon dieselbe Problematik wie bei Nikon gibt, müsst Ihr hier den Av Modus wählen. Das „A“ steht für Aperture, also dem englischen Begriff für Blende. In diesem Modus stellt Ihr die Blende ein und die Kamera ermittelt dann die entsprechende Belichtung. Ihr könnt auch im Vorfeld mittels der Belichtungskorrektur Einfluss darauf nehmen. Der Nachteil bei dieser Variante ist natürlich, dass Ihr die Kontrolle über das Stilmittel Belichtung aufgebt, also es durch möglich ist dass die Kamera die Sequenz wegen ungünstiger oder stark unterschiedlicher Belichtungszeiten vergeigt.

Außerdem kann ich nicht sagen, ob der interne Intervalometer im Zusammenhang mit dem A Modus korrekt funktioniert. Dies habe ich schlicht und einfach nicht getestet. Im schlimmsten Fall wählt die Kamera eine Belichtungszeit, die dicht oder sogar über dem eingestellten Intervall liegt und kann die Bilder bis zur nächsten Auslösung nicht mehr rechtzeitig speichern. In diesem Fall würdet Ihr einige Bilder einbüßen. Als Vorsichtsmaßnahme würde ich die Anzahl der Auslösungen, die die Intervallfunktion durchführen soll um 50 % erhöhen. Ich werde mir einmal etwas Zeit nehmen und dieses Szenario einmal mit der D5100 durchspielen. Das Ergebnis meines Versuches werde ich dann in diesem Artikel anhängen.

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Nachtrag: Ich habe nun einige Versuche mit der D5100 im A Modus gemacht um heraus zu finden, ob es zu den von mir beschriebenen Problemen kommen kann. Und die Antwort ist eindeutig Ja! Der interne Intervallauslöser von Nikon scheint sofort wieder anzufangen für das nächste Intervall zu zählen, sobald der Verschluss der Kamera offen ist. Er wartet also nicht ab, bis die Kamera mit der Belichtung fertig ist, oder gar das Bild fertig gespeichert hat.

Damit Ihr meinen Versuch nachvollziehen könnt erläutere ich meine Testdurchgänge kurz:

Im ersten Durchgang hatte ich ein Intervall von 4 Sekunden eingestellt und es sollten 10 Bilder aufgenommen werden. Die Belichtungszeit der Kamera schwankte zwischen 1,6 und 2 Sekunden. Die Kamera war fest auf einem Stativ, die Belichtung des Motives veränderte sich während der Aufnahmen nicht, die Blende war offen die ISO bei 100 und die ISO Automatik war natürlich aus. Auch die Spiegelvorauslösung hatte ich ausgeschaltet. Im ersten Durchgang klappte alles und die Kamera konnte die eingestellten 10 Bilder auch aufnehmen.

Im zweiten und dritten Durchgang blieb das Szenario bis auf dem eingestellten Intervall gleich. Ich setze das Intervall einmal auf 3 und einmal auf 2 Sekunden. Bei dem drei Sekunden Intervall schaffte die Kamera nur noch 5 Bilder, bei dem 2 Sekunden Intervall nur noch 4 Bilder.

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In meinem letzten Versuch schaltete ich noch die ISO Automatik ein und stellte die längste Belichtungszeit aus 1 Sekunde (länger geht hier bei der 5100 nicht). Vorher lagen die Belichtungszeiten wieder bei 1,6 bis 2 Sekunden. Diese wurden jetzt ja durch die ISO Automatik begrenzt. Ich nahm wieder 10 Bilder auf und stellte den Intervall auf 2 Sekunden. Diesmal schaffte es die Kamera tatsächlich alle 10 Bilder aufzunehmen und ist dabei auf sehr milde ISO 200 gegangen.

Als Fazit meiner kleinen Versuchsreihe kann ich Euch also nur empfehlen die ISO Automatik doch zu aktivieren, falls Ihr in A Modus fotografiert. Nachteil ist hier leider, dass die maximale Belichtungszeit nur 1 Sekunde beträgt (getestet an D5100, D5200, D90, D3100).

Habt Ihr jedoch keine Lust Euch mit den ganzen Dingen herumzuschlagen, die ich eben erwähnt habe, könnt Ihr Euch auch einen externen Intervallfernauslöser kaufen. Die gibt es schon für sehr wenig Geld. Der grundlegende Vorteil besteht hier darin, dass Ihr während Eurer Zeitrafferaufnahme die volle Kontrolle über die Kamera behaltet. Ihr könnt also die Belichtung zu einem beliebigen Zeitpunkt anpassen. Ich habe zum Beispiel dieses Gerät für knapp 30 Euro. Es lassen sich sogar mehrere Intervalle separat einstellen und abrufen, das Display ist beleuchtet und es gibt viel Spielraum bei den Intervalleinstellungen (min. 1 Sekunde, max. 99 Stunden, 59 Minuten und 50 Sekunden). Gefüttert wird er mit normalen AAA Batterien, die auch wirklich ewig halten. Für knapp 30 Euro bekommt Ihr schon ein super Gerät. Natürlich gibt es auch noch andere gute Geräte in dieser Preisklasse, ich will hier keine Werbung machen, sondern nur meine Erfahrungen weitergeben.

Ich denke, dass wir nach diesen doch recht langen Absatz mit dem Thema Intervallauslöser fertig sind. Und nicht nur damit sind wir fertig, sondern auch mit dem zwingend benötigtem Equipment. Mehr benötigt Ihr nicht, um Eure ersten guten Ergebnisse in der Zeitrafferfotografie zu erhalten.

Nice to have

Nun ist es an der Zeit das optionale Equipment aufzulisten und zu erläutern. Dieses kann in gewissen Situationen auch recht wertvoll sein und über den Erfolg und Misserfolg Eurer Sequenz entscheiden.

Graufilter

Ein Graufilter ist nicht nur nützlich, wenn Ihr am Tage mit einem lichtstarken Objektiv einen Zeitraffer aufnehmen wollt. Es kann auch durchaus vorkommen, dass die Szenerie Eures Motives so hell ist, dass auch lichtschwache Optiken an ihre Grenzen stoßen. Deshalb kann ich Euch nur empfehlen Euch von Anfang an einen relativ starken Graufilter zuzulegen. Ich verwende beispielsweise einen Filter der Stufe ND 3. Dieser Filter „schluckt“ 10 ganze Blendenstufen des einfallenden Lichtes. Allerdings müsst Ihr beachten, dass der Autofokus und in manchen Fällen auch die Belichtungsmessung der Kamera nicht mehr funktionieren. Ihr solltet also fokussieren, bevor Ihr den Graufilter aufsetzt. Bei der Belichtung lohnt es sich dann zuerst einige Bilder als Probe aufzunehmen und mittels der Belichtungskorrektur die Kamera so einzustellen, dass es stimmt. Eine weitere coole Sache, die Ihr abseits der Zeitrafferfotografie mit einem Graufilter machen könnt ist beispielsweise belebte Tourismusszenen Menschenleer zu gestalten. Ein Filter der Stufe ND 3 erlaubt ohne weiteres auch Belichtungszeiten von mehreren Minuten! Und das am helllichten Tag und bei Sonnenschein.

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Kameraslider

Ein sogenannter Slider ist eine wunderbare Möglichkeit, um etwas Bewegung in Euren Zeitraffer zu bringen. Generell wirken Kamerafahrten bei einem Zeitraffer immer beeindruckend. Und noch beeindruckender wirken sie natürlich wenn Sie vor Ort realisiert werden, anstatt einfach nur in der späteren Nachbearbeitung.

Bei den Kameraslidern gibt es verschiedene Ausführungen, die teilweise auch richtig ins Geld gehen können. So gibt es beispielsweise Slider, auf denen die Kamera automatisch durch einen Elektromotor angetrieben die Schiene entlang fährt. Auch die Geschwindigkeit der kann in vielen Fällen selbst eingestellt werden. Mir ist jedoch eine solche Lösung bis jetzt noch zu teuer gewesen, weshalb ich mich einmal nach Alternativen umgesehen habe.

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Sorry, ohne Slider kann ich keine Sliderbilder zeigen 🙁

 

So bin ich für wenig Geld auf zwei Slider mit einer Länge von 60 cm gestoßen. Beide kosten unter 100 € und können bis zu 5 Kg an Gewicht tragen. Der Nachteil ist allerdings, dass sie nicht von einem Motor angetrieben werden. Das bedeutet dann dass man diese Arbeit selber übernehmen muss. Dabei ist allerdings zu beachten, dass diese Arbeit möglichst präzise ausgeführt werden muss, damit die Kamerafahrt im fertigen Zeitraffer auch gleichmäßig wirkt. Ein wenig Übung ist hierfür erforderlich. Die Slider lassen sich entweder einzeln verwenden, oder mit einem oder zwei Stativen. So könnt Ihr mit einem Stativ auch Kamerafahrten in der Vertikalen realisieren (Vorsicht! Stabiles Stativ unerlässlich!!), oder Ihr könnt bei der Benutzung von 2 Stativen eine Art Brücke bauen. Wie Ihr seht habt Ihr mit so einem Slider viel kreativen Spielraum.

Aber natürlich muss ich auch hier wieder die Nachteile nennen. Ich gehe wie immer von meinem Fall aus. Wenn ich zwei Zeitraffer zugleich drehen will, aber nur einen Slider zur Verfügung habe, muss ich sehr viel Equipment schleppen. Das ist manchmal so viel, dass ich nicht mehr zu Fuß gehen, oder mit dem Motorrad fahren kann, sondern zwingend mein Auto brauche. Und das Auto sollte dann auch nicht allzu weit von meinem Aufnahmestandort entfernt sein. Ich gebe mal kurz eine Auflistung, was ich in einem solchen Fall zu schleppen habe:

  •  1 x Kameraslider (1,5 – 2,5 Kg)
  • 2 x Kamera mit leichtem Objektiv (je 1 – 1,5 Kg)
  • 3 x Stativ (je 2 -3 Kg)
  • Wechsel Akkus, Ladegeräte, Kabel und Powerbank (rund 1 Kg)
  • in Zukunft eventuell Notebook oder Tablet zur Kamerasteuerung (1 – 2,5 Kg)
  • Eventuell Drittkamera + Objektiv zum Dokumentieren (1,5 – 4 Kg je nach Objektiv)
  • Etwas für die Brotzeit, falls es länger dauert (1,5 Kg)

Im günstigsten Fall ohne die „Eventuells“ und ohne Drittkamera lande ich hier bei 12 Kg Ausrüstung, die mitgeführt werden müssen. Und sowohl der Slider, als auch die drei Stative sind eher sperrig zu transportieren. Im schlechtesten Fall, wenn wirklich alles  mit muss lande ich bei über 20 Kilogramm, die ich so mit mir herumschleppen muss. Das ist nicht ganz ohne.

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Und noch ein Platzhalterbild mangels Slider 🙂

 

Falls Ihr einmal einen Zeitraffer im Makrobereich aufnehmen wollt, gibt es natürlich auch noch eine tolle Möglichkeit mit einem Slider zu arbeiten. Und zwar bin ich bei Amazon auf einen 4 Wege Slider gestoßen mit einer Länge von 15 cm in alle Richtungen. Für den Makrobereich finde ich das durchaus ausreichend. Allerdings ist die Tragekraft des Sliders auf 3 Kg begrenzt. Ich werde ihn mir einmal besorgen und eine Makro Sequenzen als Zeitraffer aufnehmen um zu sehen ob der Slider etwas taugt.

qDSLR Dashboard

Ein extrem nützliches Tool für die Zeitraffer Fotografie ist qDSLR Dashboard. Dies ist ein Programm mit dem Ihr Eure Kamera mit dem Handy, Tablet, oder PC verbinden könnt. Die Verbindung kann via Kabel oder Wlan hergestellt werden. Das tolle an der ganzen Geschichte ist, dass Ihr von Eurem Endgerät aus die volle Kontrolle über die Kamera habt. Die App ist kostenlos und bietet dafür wirklich sehr viele coole Features vielen Dank an den Entwickler Zoltan Hubai und auch an Gunther Wegner, der die Ideen zu den tollen Zeitraffer Funktionen hatte.

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Speziell für die Zeitraffer Fotografie hat qDSLR Dashboard einen extra Modus integriert. Damit könnt Ihr nicht nur Intervallaufnahmen mit Eurer Kamera machen, nein das Tool selbst bietet auch die Möglichkeit die Belichtung automatisiert anzupassen! Dabei könnt Ihr der Kamera auch bestimmte Grenzwerte beispielsweise bei der ISO oder Belichtungszeit setzen. Auf diese Weise könnt Ihr ohne eingreifen zu müssen einen so genannten Holy Grail Zeitraffer realisieren. Holy Grail, also Heiliger Gral beschreibt ein Szenario, bei dem sich die Belichtung der Szenerie im Verlauf des Zeitraffers grundlegend ändert. Das kann beispielsweise ein Sonnenaufgang- oder Untergang sein.

Es können tatsächlich alle Kameraparameter in der Anwendung verändert werden!

Es können tatsächlich alle Kameraparameter in der Anwendung verändert werden!

Statt wie bis jetzt immer nach jedem Bild gebannt auf den Belichtungsmesser zu starren und die Belichtung gegebenenfalls anzupassen, könnt Ihr Euch einfach zurücklehnen und lasst das Tool diese Arbeit machen. Natürlich kann ich Euch empfehlen so eine Holy Grail Situation wenigstens einmal von Hand zu versuchen, denn man kann dabei doch eine ganze Menge lernen.

Ich habe zu Hause jedenfalls schon ein wenig mit qDSLR Dashboard experimentiert, es aber in der Praxis noch nicht eingesetzt. Aber am Donnerstag soll der Himmel hier in Berlin Wolkenlos sein und ich wollte sowieso eine Sonnenaufgangssequenz aufnehmen. Dann werde ich das Tool zu Testzwecken bei einer zweit- oder gar dritt Kamera einsetzen.  Alles über die Benutzung von qDSLR Dashboard erläutere ich nach ausgiebigen Testen dann in einen extra Artikel.

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Was kann ich noch so gebrauchen?

Tja an dieser Stelle kann ich mich kurz fassen und mache nur eine kleine Auflistung zu den Dingen, die Ihr sonst noch gebrauchen könnt.

  • Neben vielen Wechsel Akkus kann empfehle ich Euch den Einsatz eines Batteriegriffs. Auf diese Weise könnt Ihr zwei Akkus gleichzeitig nutzen und müsst bei längeren Zeitraffern nicht wechseln
  • Große Speicherkarten (ich nutze Karten zwischen 16 und 32 Gb und habe auch immer mehrere Dabei)
  • Ladegerät für unterwegs (Ich nutze 2 Ladegeräte von Patona, an denen die Akkus auch via USB geladen werden können)
  • Powerbank (nutze hier eine mit 10.000 mAh und mehreren USB Ausgängen)
  • Essen, Trinken und ein gutes Buch falls es einmal länger dauert
  • Wenn ich einen Zeitraffer in der Natur aufnehmen möchte, nehme ich auch gerne meinen Campingstuhl mit

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So, das war es also auch schon zu dem Equipment, das Ihr so beim Zeitraffern braucht. Im nächsten Teil der Artikelreihe gehe ich dann auf die spezifischen Kameraeinstellungen ein, die Ihr bei der Erstellung einer Zeitraffer Sequenz beachten solltet. Auch das Video, in dem ich die Dinge ja schon beschrieben habe, werde ich dann nochmals anhängen.

Bis dahin

Euer Mario

Hier geht es zum nächsten Teil!

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