Zeitrafferfotografie Teil 5

Hallo und willkommen zum nunmehr letzten Teil der Zeitraffer Serie. Vom Equipment, über die Kamera- und Aufnahmetechniken habe ich bereits vieles Beschrieben. Nun haben wir unseren Zeitraffer fertig im Kasten und können nun zur Nachbearbeitung kommen. Und genau darum dreht sich dieser Artikel. Ich werde erklären wie die Nachbearbeitung mit LRTimelapse, Lightroom 5 und in meinem Fall Sony Vegas funktioniert.

Außerdem verrate ich Euch noch eine gute Anlaufstelle bei der Ihr kostenlose Musik für Eure Projekte bekommen könnt. Alles in allem werde ich versuchen den Workflow Schritt für Schritt so durchzugehen, wie er im Alltag auch auftritt. Dabei kann ich allerdings nicht jedes Programm einzeln und vollständig erklären, weil im Workflow immer wieder zwischen den Programmen hin und her gewechselt wird.

Und wie immer für all die, die sich gerne etwas berieseln lassen, habe auch wieder ein Video erstellt. Viel Spass!

1. Die Bilder importieren und initialisieren

Im ersten Schritt müssen die Bilder Eures Zeitraffers erst einmal auf den Computer gelangen und dort verwaltet werden. Ich nutze zwar Lightroom, welches für die Verwaltung von Bildern ausgelegt ist, verwende aber dennoch meine eigene Ordnerstruktur.

Und zwar bekommt die Zeitrafferfotografie sowohl einen extra Ordner als auch eine extra Lightroom Datenbank von mir spendiert. In diesem extra Ordner habe ich meine Projekte nach Jahren sortiert, also finden sich hier folglich nur Ordner mit Jahreszahlen. Mit der Ausnahme eines weiteren Ordners mit dem Namen Zeitraffer, denn in diesem befinden sich die für Lightroom relevanten Dateien.

In der nächsten Ebene, den Ordnern mit den Jahreszahlen befinden sich die Projekte, an denen ich in gearbeitet habe. In den Projektordnern befinden sich wiederum die Ordner mit den einzelnen Sequenzen, aus denen das jeweilige Projekt besteht. Jede Sequenz ist dabei ca. 10 Sekunden lang. In der letzten Ebene meiner Ordnerstruktur befinden sich dann natürlich die Bilder, welche eine Sequenz ausmachen.

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Ich hoffe, dass mein Ordnungssystem einigermaßen verständlich war. Ich fasse also noch einmal kurz zusammen:

  • Ebene: Sortierung nach Jahren
  • Ebene: Sortierung nach Projekten
  • Ebene: Sortierung nach Sequenzen

Ich erstelle mir also als erstes, einen Ordner mit dem Projekt und füge als nächstes die Ordner mit den einzelnen Sequenzen in den Projektordner ein. Anschließend kann ich die bereits aufgenommenen Bilder in die Sequenzordner kopieren. Ist das getan, brauchen wir als nächstes Lightroom, denn wir müssen die Bilddateien zunächst importieren. Das machen wir mit dem Button „importieren“, welcher sich in der Hauptansicht gleich unten links befindet. Anschließend müsst Ihr Euch mit Hilfe der linken Navigationsleiste zu Eurem Projektordner Navigieren. Bevor Ihr die Bilder nun importiert, achtet bitte darauf, dass nur die Option „Hinzufügen“ ausgewählt ist. Je nachdem wie viele Bilder Ihr importiert und wie schnell Euer Computer ist, kann dieser Vorgang viel Zeit in Anspruch nehmen. Ein Fortschrittsbalken am oberen linken Bildschirm zeigt Euch den Stand der Dinge beim Lightroom Import an.

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Ist der Import abgeschlossen, könnt Ihr Lightroom erst einmal minimieren und das Programm LRTimelapse starten. Habt Ihr LRTimelapse gestartet, müsst Ihr Euch mittels der Navigationsleiste an der rechten Seite zu der Sequenz, die Ihr bearbeiten wollt navigieren. Habt Ihr den Ordner mit der Sequenz angeklickt, füllt sich die Tabelle, denn LRTimelapse „zieht“ sich gleich alle relevanten Informationen der Bilder und erstellt daraus eine Vorschau.

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Diese könnt Ihr in der oberen linken Ecke betrachten. Mit den Buttons darüber und darunter könnt Ihr die Sequenz auch gleich als Film betrachten und so erfahren, wie diese ungefähr aussieht. Ungefähr sage ich deshalb, weil ich hier ja nur die unbearbeiteten Raw aufnehmen seht. Außerdem werden Euch noch diverse Linien und Symbole in der Vorschau eingeblendet. Auf diese Symbole möchte ich nun kurz zu sprechen kommen:

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  • Oranges Rechteck: Zeigt den Beschnitt, bzw. den Verlauf des Beschnitts an. Somit könnt Ihr im Nachhinein eine Kamerafahrt realisieren
  • Gelbe Linie: Auf dieser Linie werden Euch die Keyframes angezeigt, die das Programm oder Ihr erstellt. Es zeigt auch die spätere Anpassung der Belichtungswerte der Keyframes an.
  • Türkisfarbene Linie: Diese Linie zeigt den wirklichen Helligkeitsverlauf der Szene laut LRTimelapse an
  • Lilafarbene Linie: Zeigt den Helligkeitsverlauf der aufgenommenen Bilder an. Türkisfarbener Keyframe: Standard Keyframe in LRTimelapse
  • Orangener Keyframe: Dies ist ein Heiliger Gral Keyframe, der erzeugt wird, wenn große Helligkeitsänderungen zwischen zwei benachbarten Bildern vorliegen.
  • Türkisfarbener Keyframe: Das ist der Standard Keyframe von LRTimelapse

Stellt an dieser Stelle bitte noch einmal sicher, dass Ihr Euch auch im Standard Workflow befindet, denn auf diesen werde ich mich hier beziehen. Wollt Ihr mehr über die Funktionen von LRTimelapse erfahren empfehle ich Euch das Buch von Gunther Wegner, dem Entwickler der Software und gleichzeitig Produzent von Zeitraffer Filmen. Richtig interessant ist neben dem Standard Workflow vor allem der „Heiliger Gral“ Workflow, bei dem es in erster Linie darum geht, Zeitraffersequenzen mit erheblichen Veränderungen der Belichtungssituation, wie beispielsweise Sonnenaufgänge zu realisieren. Den Deflicker Workflow könnt Ihr dagegen ignorieren, sofern Ihr meine Ratschläge bezüglich der Kameraeinstellungen befolgt habt.

Nachdem das geklärt ist, könnt Ihr nun auf den Button „initialisieren“ klicken. Es erscheint eine gelbe Linie auf der im nächsten Schritt gleich die Keyframes gelegt werden. Klickt als nächstes auf den Button „Keyframes erzeugen“ gleich rechts neben den initialisieren Button. Das Programm erzeigt nun automatisch an den passenden Stellen die Keyframes (das sind die oben erwähnten Symbole). Ein Keyframe markiert einen Punkt in Eurer Sequenz an den sich die Belichtungssituation im Bezug zum bisherigen Durchschnitt so sehr verändert hat, dass ein manuelles Eingreifen des Benutzers in der Nachbearbeitung erforderlich ist. Ihr könnt natürlich auch noch selbst Keyframes hinzufügen, indem Ihr bei der jeweiligen Stelle auf das Keyframesybol in der ersten Spalte der Tabelle klickt. Dies ist beispielsweise nötig wenn Ihr Eure Kamerafahrt in der Post Produktion realisieren wollen (dazu später mehr).

2. Die Bearbeitung

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Sind die Keyframes erzeugt, geht es weiter mit dem nächsten Schritt. Jetzt müsst Ihr die Metadaten speichern, indem Ihr auf den Speicherbutton gleich rechts neben den Keyframes erzeugen Button klickt. Minimiert nun LRTimelapse und kehrt zurück zu Lightroom. Navigiert Euch hier zunächst mit dem Ordner Explorer zu der zu bearbeitenden Sequenz. Es ist unbedingt erforderlich, dass Ihr hier mit der Ordnerstruktur anstatt mit Sammlungen arbeitet, da der Prozess sonst nicht funktioniert. Habt Ihr Eure Sequenz nun geöffnet markiert Ihr mit Str+A nun alle Bilder und klickt in der oberen Menüleiste den Punkt „Metadaten“ an. Wählt hier die Option „Metadaten aus Dateien lesen“ aus und wartet bis Lightroom mit dem lesen fertig ist. In der Vorschau werdet Ihr jetzt merken, dass sich der Beschnitt Eurer Bilder verändert. Das hat LRTimelapse gerade eben automatisch gemacht, damit die Bilder im für Videos üblichen 16:9 Format vorliegen. Ihr müsst allerdings nicht warten, bis sich alle Vorschaubilder angepasst haben, sondern lediglich bis der Lightroom mit dem lesen fertig ist. Eine Fortschrittsanzeige blendet Lightroom während des Prozesses oben links ein.

Nun müssen wir zu den Keyframes gelangen, die gerade eben mit LRTimelapse gesetzt wurden. Dafür hat das Programm mehrere Filter in Lightroom hinzugefügt. Klickt in der Bibliotheksansicht unten rechts auf das Filter Dropdown Feld und wählt die Option „LRT-All Keyframes“ aus.

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Diese Keyframes wollen wir nun bearbeiten. Geht also in das Entwickeln Modul von Lightroom und startet mit Eurer Bearbeitung. Für die Bearbeitung gebe ich jetzt natürlich keine Tipps, weil hier ja jeder von Euch seine Eigenen Tricks und Kniffe parat haben wird. Aber ich erkläre Euch natürlich den Workflow, den Ihr einhalten solltet um ein entsprechendes Ergebnis zu erhalten. Ok, fangt nun mit dem ersten Bild links unten im Filmstreifen an, denn es ist wichtig, dass die Bilder in der korrekten Reihenfolge von links nach rechts bearbeitet werden.

Bevor Ihr Euch jetzt zu tief in die Bearbeitung stürzt muss ich Euch noch vor gewissen Bearbeitungsschritten warnen! Verzichtet hier bitte auf alle Lokalen Anpassungen. LRTimelapse hat bereits einen Verlaufsfilter eingefügt, mit den Ihr arbeiten könnt. Aber auf die Benutzung des Pinsels würde ich verzichten, es sei denn Ihr wollt das Pinselwerkzeug im Nachhinein für jedes einzelne Bild benutzen.

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Seid Ihr mit der Bearbeitung des ersten Bildes fertig, müsst Ihr nun alle bearbeiteten Parameter kopieren und auf das zweite Bild übertragen. Dies macht Ihr ganz einfach mit den beiden Buttons „Kopieren…“ und “ Einfügen“, die Ihr unten links finden könnt. Die kopierten Entwicklungseinstellungen des ersten Bildes stellen den Startpunkt für die Bearbeitung des zweiten Bildes da. Dies ist wichtig, damit sich die Entwicklungseinstellungen zwischen zwei benachbarten Keyframes nicht drastisch unterscheiden. Im fertigen Video würde das nämlich nicht so gut aussehen. Fügt also die Einstellungen in Euer zweites Bild ein und startet mit der Bearbeitung. Stellt Euch hier vor allem die Frage ob die Belichtungsänderung im Bild natürlich oder künstlich war. War die Änderung künstlich, wie zum Beispiel beim Scheinwerfer eines fahrenden Autos, entwickelt Ihr das Bild so, dass es von der Belichtung wie das erste Bild wirkt. Konzentriert Euch hier vor allem auf die statischen Objekte wie Häuser oder Bäume, welche sich ja nicht aus dem Bild bewegen wie Menschen oder Tiere. War die Helligkeitsveränderung natürlich, dann sorgt dafür, dass der Effekt nicht so drastisch ausfällt und die Partien in den tiefen und hellen Bereichen des Bildes noch gut zu erkennen sind.

Wenn Ihr fertig seid könnt Ihr die Entwicklungseinstellungen des zweiten Bildes kopieren und in das Dritte einfügen. Dies macht Ihr nun so lange, bis Ihr alle Keyframes fertig bearbeitet habt. Zum Schluss könnt Ihr die einzelnen Keyframes in der Bibliotheksansicht noch einmal direkt miteinander vergleichen und Euch so von Eurer Arbeit überzeugen. Ich mache das eigentlich immer und vergleiche gleich als erstes den ersten und den letzten Keyframe, um mir einen Eindruck über den gesamten Helligkeitsverlauf machen zu können.

Wenn Ihr nun sicher seid, dass es mit Eurer bearbeitung passt, müsst Ihr nun wider mit Strg+A alle Keyframes in der Bibliotheksansicht auswählen und die Metadaten über das Menü „Metadaten“ -> „Metadaten in Dateien speichern“, abspeichern.

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Damit ist die Bearbeitung in Lightroom auch schon abgeschlossen. Minimiert also Lightroom und geht zurück zu LRTimelapse. Hier müssen wir als erstes die Metadaten, die wir eben in Lightroom gespeichert haben wieder neu auslesen. Also geht es in der zweiten Button reihe weiter mit dem Workflow. Klickt auf „neu laden“ damit LRTimelapse die Metadaten neu einliest. Anschließend klickt Ihr auf „Auto Übergang“. Jetzt berechnet LRTimelapse einen sanften Übergang der Entwicklungseinstellungen, die Ihr in Lightroom eingestellt habt und wendet diese auf jedes Bild Eurer Sequenz an. Nach diesem Vorgang müsst Ihr ein letztes Mal alle Metadaten abspeichern und wieder zu Lightroom wechseln.

3. Das Rendern

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Bevor LRTimelapse die Sequenz rendern kann, muss sie mittels Lightroom als so genannte Zwischensequenz ausgegeben werden. Dies passiert mit der Exportfunktion von Lightroom. Markiert also in der Bibliotheksansicht alle Bilder Eurer Sequenz mit Str+A und klickt anschließend auf den Button „Exportieren“. Wählt nun im Exportmenü die neu hinzugekommene LRTimelapse Vorlage und exportiert Eure Sequenz.

Mit Hilfe der Zwischensequenz rendert LRTimelapse später das finale Zeitraffervideo der Sequenz. Da Ihr beim Rendern mit LRTimelapse ebenfalls noch einige Parameter einstellen könnt, lohnt es sich eine mit Lightroom exportierte Sequenz zu behalten und nicht zu löschen. Bei einer Änderung müsste ansonsten der gesamte Export in Lightroom erneut durchgeführt werden.

Ist der Export erfolgreich abgeschlossen, öffne sich automatisch LRTimelapse und zeigt das Rendermenü an. Habt Ihr die kostenlose Version der Software, könnt Ihr freilich nicht viel einstellen, die wenigen Optionsmöglichkeiten, die Ihr hier habt, werde ich natürlich trotzdem einmal erläutern.

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Die wichtigsten Einstellungen, die Ihr tätigen könnt sind:

  • Auflösung (720p – 1080p)
  • Bildwiederholrate (23,87, 24, 25, 29,97 oder 30 Bilder die Sekunde)
  • Abspielgeschwindigkeit „Speed“
  • Qualitä

Interessant sind hier eigentlich nur die Punkte Bildwiederholrate und Abspielgeschwindigkeit. Der Effekt der Einstellungen geht in etwa in dieselbe Richtung, über die Bildwiederholrate habe ich mich im Vorfeld ja schon genug ausgelassen. Bei der Abspielgeschwindigkeit könnt Ihr nun noch einmal explizit einstellen ob das Video verlangsamt oder beschleunigt dargestellt wird. Mit einer maximal einstellbaren Bildrate würde ich jedoch von einer Verlangsamung absehen, weil hier das gerenderte Video nicht mehr flüssig dargestellt werden würde. Eine Beschleunigung dagegen kann durchaus von Interesse sein. Genau aus diesem Grund riet ich Euch im Vorfeld, die Zwischensequenzen von Lightroom beizubehalten, weil Ihr mit diesen hier nun experimentieren könnt. Rendert doch mal Euer Video neben der normal Geschwindigkeit, also den Aufnahmeintervall welches Ihr selber eingestellt habe, auch in anderen Geschwindigkeiten um zu sehen, wie die neue Bildwirkung im Video ist.

Damit habt Ihr den Workflow für das Erstellen einer einfachen Zeitraffer Sequenz auch schon abgeschlossen.

Eine Kamerafahrt in der Postproduktion erstellen.

Zum Erstellen einer Kamerafahrt in der Postproduktion habt Ihr im Grunde zwei Möglichkeiten. Die erste und wohl beste der beiden Optionen ist es, die Kamerafahrt gleich in Lightroom und LRTimelapse zu erstellen. Denn dabei könnt Ihr auf die volle Auflösung Eures Bildmaterials zurückgreifen, was bedeutet, dass Ihr keinen Qualitätsverlust erleiden werdet.

Die zweite Variante besteht darin die bereits fertig gerenderte Sequenz in einem Videoschnittprogramm wie Sony Vegas oder Premiere Pro nachträglich zu verändern. Da Ihr mit der kostenlosen Variante von LRTimelapse und diese werdet Ihr als Einsteiger in die Zeitraffer Fotografie zwingend nutzen, aber nur Sequenzen in maximal 1080p erstellen könnt, werdet Ihr hier einen enormen Qualitätsverlust erleiden. Denn Ihr müsst ja für eine Kamerafahrt in das Bild reinzoomen. Bei einem Ausgangsmaterial von 1920 x 1080 bleibt aber nicht mehr viel Luft zum Zoomen. Realisiert Ihr die Kamerafahrt allerdings schon in Lightroom und LRTimelapse, stehen Euch beispielsweise bei einer Nikon D5200 Auflösungen von bis zu 6000 x 4000 Pixel zur Verfügung. Ihr könnt also ziemlich weit in das Bild hineinzoomen, ohne Qualitätseinbußen, wie in der zweiten Variante befürchten zu müssten, da es das Rohmaterial hergibt.

Dieser Umstand ändert sich freilich wenn Ihr eine Lizenzierte Version von LRTimelapse verwendet, da Ihr dann auch Sequenzen mit einer Auflösung von bis zu 6k (6000 x 4000) rendern könnt.

Der Vollständigkeit halber zeige ich Euch natürlich beide Varianten, begrenze mich bei der zweiten aber auf das Videoschnittprogramm Sony Vegas, zum einen weil ich es neben Adobe Premiere bevorzugt einsetze. Aber neben diesen beiden Programmen gibt es natürlich noch eine Vielzahl von Konkurrenten, sodass es keinen Sinn macht, den Workflow mit beiden zu zeigen, da Ihr eventuell wieder etwas anderes einsetzt.

1. Kamerafahrt mit LRTimelapse und Lightroom realisieren

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Bevor wie starten können, müsst Ihr das Bildmaterial Eurer Sequenz zunächst in Lightroom importiert und mit LRTimelapse initialisiert haben. Ist das getan, müssen erneut Keyframes erstellt werden. Aber neben den normalen Keyframes, die LRTimelapse erstellen wird, nutzen wir noch eigene, selbst erstellt Keyframes um unsere Kamerafahrt zu realisieren. In meinem Beispiel gehe ich von einer Sequenz mit 300 Bilder und einer Abspielgeschwindigkeit von 30 Bilder die Sekunde aus. Das Videomaterial der Sequenz hat also eine Länge von 10 Sekunden.

Innerhalb dieser 10 Sekunden wollen wir nun einen gleichzeitigen Zoom und Schwenk mit einer Länge von 7 Sekunden realisieren. Die eben erwähnten Keyframes dienen uns dabei als Ankerpunkte, kennzeichnen also wann gezoomt oder verschoben wird.

Wir lassen LRTimelapse also die Keyframes setzen und verwenden den Keyframe am Anfang der Sequenz auch gleich als Startpunkt für unsere Kamera fahrt. Da der Zoom insgesamt 7 Sekunden dauern soll, ist die nächste Überlegung nun in welcher Geschwindigkeit er passieren soll. Hier in meinem Beispiel lasse die über die ersten 6 Sekunden ganz langsam in die Szenerie hineinzoomen, um dann in der verbleibenden Sekunde wieder in die Ausgangsposition zu gehen, in der die Sequenz dann die restlichen 3 Sekunden verbringt. Wir haben es hier also insgesamt mit drei Keyframes zu tun, die für unsere Kamerafahrt erforderlich sind. Zur besseren Übersicht zähle ich die Funktionen unserer Keyframes noch einmal auf:

  • Erster Keyframe: Dieser Keyframe markiert den Anfang unserer Kamerafahrt. In diesem ist noch das gesamte ursprüngliche Bild zu sehen.
  • Zweiter Keyframe: Dieser Keyframe markiert den Höhepunkt unserer Kamerafahrt, also den Punkt bei dem am weitesten hineingezoomt wurde.
  • Dritter Keyframe: Dieser Keyframe markiert das Ende unserer Kamerafahrt. Wie im ersten Keyframe ist wieder das volle ursprüngliche Bild zu sehen.

Wenn wir das Bild auf den Höhepunkt unserer Kamerafahrt eine Weile verweilen lassen wollen, müssen wir noch einen vierten Keyframe einfügen. Dieser Keyframe würde gleich nach den zweiten gesetzt werden und er würde auch denselben beschnitt, bzw. dieselbe Zoomstufe aufweisen. In der Zeit zwischen diesen beiden Keyframes würde der Bildausschnitt im Video dann in den Einstellungen dieser Keyframes verharren, bevor wieder aus der Szene herausgezoomed wird. Die Zooms wirken mit dieser kleinen Pause im fertigen Video wesentlich ruhiger.

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Da wir den Startpunkt für unseren Zoom in LRTimelapse schon festgelegt haben, ist es nun an der Zeit den zweiten Keyframe zu setzen. Wir wollten ja insgesamt 6 Sekunden lang langsam in das Bild hineinzoomen, bevor die Kamerafahrt in der siebten Sekunde abrupt beendet wird. Also setzen wir den zweiten Keyframe nun bei dem 180. Bild der Sequenz. Da nun innerhalb von nur einer Sekunde wieder in die Ursprungsposition zurückgegangen werden soll und wir eine Bildrate von 30 Bildern in der Sekunde haben, ist ja nun klar wo wir den dritten und letzten Frame unserer Kamerafahrt setzten müssen. Genau, beim Bild mit der Nummer 210!

Anschließend durchlaufen wir den Workflow ganz normal weiter indem wir die Metadaten abspeichern und zu Lightroom wechseln um diese dort wieder einzulesen. Mit der Filterfunktion lassen wir uns wieder alle Keyframes anzeigen und wechseln zum Entwickeln Modul. Bevor wir jetzt anfangen und den Beschnitt setzen, bearbeiten wir die Bilder erst einmal so, wie wir es im normalen Workflow auch schon getan haben. Wenn das erledigt ist, können wir an unseren ersten Keyframe, der den Höhepunkt der Kamerafahrt darstellen soll, einen Beschnitt setzen. Achtet hier bitte in erster Linie darauf, dass Ihr das Seitenverhältnis von 16:9 beibehaltet! Danach müsst Ihr im dritten Keyframe der Kamerafahrt den Beschnitt nur wieder in die Ausgangsposition bringen und das war es dann auch schon! Auch hier müsst Ihr wieder darauf achten, dass Ihr den Beschnitt in der von LRTimelapse festgelegten Ausgangsposition bringt. Am sichersten ist es, wenn Ihr einfach den Beschnitt des ersten Keyframes der Sequenz kopiert und in diesen einfügt.

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Ihr könnt jetzt den normalen Workflow fortsehen, also die Metadaten speichern und in LRTimelapse neu einlesen. Nachdem Ihr die Autoübertragung in LRTimelapse durchgeführt habt, erscheint in der Vorschau nun ein orangefarbenes Kästchen. Dieses deutet den Verlauf des Zooms, bzw. der Kamerafahrt an. Wie Ihr sehen werdet, hat LRTimelapse automatisch den Übergang zwischen den einzelnen von uns gesetzten Beschnitts errechnet und auf allen Bildern angewandt. Spielt Ihr nun das Video ab, so wird Euch der Zoom/die Kamerafahrt auch angezeigt. Da der restliche Workflow unverändert bleibt könnt Ihr nun mit diesem fortfahren und das Video rendern. Das war auch schon die erste Variante um einen Zoom oder eine Kamerafahrt mittels Lightroom und LRTimelapse zu realisieren. Nun kommen wir zur zweiten Variante.

2. Kamerafahrt in einem Videoschnittprogramm realisieren

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Wie bereits erwähnt arbeiten wir auch in Sony Vegas mit so genannten Keyframes, um die verschiedenen Beschnitte zu setzen. Starten wir also zunächst das Schnittprogramm und fügen das Video in die Videospur ein. In Sony Vegas muss nun zunächst das Menü „Event Panorama Cropping“ geöffnet werden. Den Button dazu findet Ihr direkt am Ende der Videospur. Das Menü öffnet sich in einem neuen Fenster. Dieses Fenster gliedert sich nun im Wesentlichen in zwei Bestandteile. Im oberen Teil können wir den Beschnitt, ganz ähnlich wie in Lightroom durch ziehen und drehen mit der Maus einstellen. Im unteren Teil finden wir eine Zeitleiste. Dieser spiegelt die Länge der gesamten Sequenz.

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Und eben in dieser Zeitleiste können wir unsere Keyframes platzieren. Dies sind in diesem Beispiel, ganz wie vorher derer wieder drei. Den ersten Keyframe setzen wir am Anfang der Sequenz. Der Beschnitt muss hier nicht verändert werden, wir wollen ja an dieser Stelle noch die gesamte Szenerie betrachten.

Bei der Marke von 6 Sekunden setzen wir nun unseren zweiten Keyframe. Da dieser den Höhepunkt unserer Kamerafahrt, bzw. des Zooms darstellen soll, muss hier der Beschnitt natürlich dementsprechend verändert werden. Der dritte Keyframe wird nun logischerweise am Ende der Sequenz gesetzt und der Beschnitt wird so eingestellt, dass wieder die gesamte Szenerie zu sehen ist, eben wie dies auch beim ersten Keyframe der Fall ist.

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Fertig! So einfach kann ein Zoom, bzw. eine Kamerafahrt in der Postproduktion mit einem Videoschnittprogramm verwirklicht werden. Da diese Variante wesentlich schneller vonstattengeht, kann ich nur dazu raten sie zu nutzen, sobald die Möglichkeit besteht, die Sequenzen mit LRTimelapse in einer höheren Auflösung als mit 1080p zu rendern. In der Nachbearbeitung ist die Variante mit dem Videoschnittprogramm außerdem auch flexibler, da keine verschiedenen Varianten der Videosequenz (beispielsweise eine mit und eine ohne Zoom, oder auch mehrere unterschiedliche Kamerafahrten) bereitgestellt werden müssen.

Die Videoproduktion

Zum Abschluss möchte ich Euch noch demonstrieren, wie ich eine Videoproduktion im Großen und Ganzen handhabe. Dazu brauchen wir natürlich zuerst sämtliches Rohmaterial, welches später in dem Video einfließen soll. Neben den einzelnen Videosequenzen des Zeitraffers, die wir ja nun schon fertig haben gehören natürlich auch noch andere Dinge dazu. Als wichtigstes ist hier wohl die Musik zu nennen.

Gerade bei der Verwendung von fremden Material können einem viele Fehler passieren. Denn hier müsst Ihr auf die Lizenzen achten, unter denen das Material bereitgestellt wird. Zumindest die Namensnennung des Künstlers wird zumeist verlangt. Ich persönlich verwende die Plattform Jamendo für meine Musik, vor allem weil Sie sehr angenehm benutzt werden kann. Es gibt dort eine sehr gute Suchfunktion und vor allem werden mir die Lizenzen gleich angezeigt, wenn ich mir eines der Stücke anhöre. So weiß ich dann immer gleich, was ich damit machen kann und was nicht.

Dieselbe Vorsicht müsst Ihr natürlich auch an den Tag legen, wenn Ihr fremdes Bildmaterial in Eure Videos einfügen wollt. Im Zweifelsfall hilft es immer den Produzenten oder Künstler kurz zu kontaktieren und ihn um Erlaubnis zu fragen. Mir hat das jedenfalls im Zweifelsfall immer sehr geholfen.

Jetzt haben wir unser gesamtes Rohmaterial zusammen und wollen mit der Produktion loslegen. Aber zuerst müssen wir ein wenig Ordnung in unser Projekt bringen. Mein System sieht dem für die Zeitraffer in Lightroom recht ähnlich. Dazu habe ich natürlich wieder ein Bild zusammengestellt, das mein Ordnungssystem aufzeigt.

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In der oberste Ebene wird nur zwischen den Templates (Intros und Logos) und den Projekten unterschieden. Da ich meine Templates sowieso für jedes Projekt brauche und sie auch nicht sonderlich verändere, hatte es für mich Sinn gemacht, diese separat zu speichern. In der zweiten Ebene werden die Projekte in den Jahren sortiert, in denen sie entstanden sind. Dies ist in der Tat nur ein Werkzeug zur besseren Sortierung. Bei der dritten Ebene befinden wir uns nun innerhalb der Jahresordner. Von hier aus kommen wir direkt in die Projekte hinein. In der vierten Ebene befinden wir uns in den Projektordner. Zu sehen sind hier meistens die folgenden Elemente: Projektdateien und temporale Dateien der Videoschnittsoftware fertig gerendertes Material, welches in das Videoprojekt einfließt, wie beispielsweise Sounddateien oder mein Introclip. Bei Projektabschluss befindet sich das fertig Produzierte und gerenderte Video ebenfalls in diesem Ordner. Meist sogar in zwei unterschiedlichen Versionen, welche aber nur die Größe der Datei betreffen (also beispielsweise 1080p und 720p(small)).

Im Projektordner befindet sich noch ein Unterordner. Hier befindet sich alles Rohmaterial, welches im Rahmen der Produktion aufbereitet werden soll, also beispielsweise:

  • Unbearbeitetes Videomaterial direkt aus der Kamera
  • Videomaterial von Bildschirmmitschnitten usw.

Natürlich könnt Ihr Eure Dateien in letzter Instanz Verwalten wie auch immer Ihr wollt. Ich kann an dieser Stelle nur beschreiben, wie ich mit solchen Projekten umgehe. So, jetzt wollen wir aber nun wirklich damit anfangen unser Video zu produzieren! Dazu starten wir jetzt endlich unsere Videoschnittsoftware. Nachdem also ein neues Projekt erstellt und abgespeichert ist, kann es mit den Import Eures Materials losgehen. Nahezu jede Videosoftware bietet einen Ort an dem Ihr Euer Quellmaterial in der Software ablegen könnt. Das ist recht komfortabel, da Ihr später schnell darauf zugreifen und es im Video Sequenzer platzieren könnt.

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Ordnet zunächst Eure Videodateien so im Sequenzer, wie so auch im finalen Film sein sollen. Bei mir teilt sich das grob in drei Phasen ein:

Anfang: Der Anfang besteht in erster Linie aus meinem Intro samt dessen Beschriftung. Da ich das Intro individuell für jedes Video Produzieren und Rendern muss, ist es natürlich kein Rohmaterial und nicht im Raw Material Ordner zu finden, sondern im Hauptordner des Projektes. Hauptteil: Hier ist der eigentliche Inhalt des Videos zu finden. Dies ist auch der Teil in dem das Rohmaterial verarbeitet wird. Außerdem macht der Hauptteil natürlich das meiste des gesamten Videoprojektes aus. Abspann: Zum Schluss muss nur noch auf den Abspann geblendet werden. Hier berücksichtige ich dann mögliche Lizenzen, indem ich die Künstler erwähne. Bei Gelegenheit können auch die Take Outs nach den Abspann eingeblendet werden.

Da der Anfang bei mir nur aus einem zuvor erstellten Intro stammt, muss hier nicht viel bearbeitet werden. Meistens starte ich die Musik auch schon im Intro, bzw. lasse Sie langsam ansteigen. Im Hauptteil fängt dann die richtige Arbeit an. Denn hier arbeitet Ihr ja in erster Linie mit Rohmaterial. Es muss also geschnitten, verschoben und gezoomt werden. Und die Übergänge müssen natürlich auch stimmen, wenn Ihr so etwas macht. Dafür stehen Euch in jedem Videoprogramm ähnliche Funktionen zur Verfügung. Diese jetzt explizit für Sony Vegas zu erläutern würde keinen Sinn machen, das mache ich vielleicht einmal in Zukunft, wenn ich mich explizit damit beschäftige.

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Am Ende der Produktion bleibt dann nur noch der Abspann. Der Hauptteil muss an einem Sinnvollen Punktabgebrochen und die Credits eingespielt werden.

Ich will mir nicht anmaßen Stilberatungen in Sachen Video Produktion zu geben, das ist vielleicht ein zweiter Grund weshalb ich an dieser Stelle so wenig schreibe. Lasst einfach eurer Kreativität freien Lauf, denn auch beim Film gilt im Endeffekt dieselbe Regel wie bei der Fotografie. Und diese Regel besagt, dass man sich nicht immer stur an Regeln halten sollte. Manchmal kommen beim Brechen bestimmter Regeln viel interessantere Bilder und Filme heraus. Und letztendlich muss Euch das Ergebnis auch selber gefallen. Schließlich ist dies ja ein höchst subjektives Thema!

Nun fehlt nur noch eine letzte Arbeit, bevor Ihr Euern Film fertig in den Händen haltet. Das Rendern! Naja, eigentlich ist das Rendern viel mehr die Arbeit des Computers als Eure, da es doch schließlich automatisiert abläuft. Aber einiges müsst Ihr dabei natürlich auch beachten.

Bitte achtet darauf, dass Eure Rendereinstellungen, ich spreche hier in erster Linie von der Bildrate und der Auflösung, mit der des Quellmaterials übereinstimmen. Das bedeutet, wenn ich mein Quellmaterial, in unseren Fall also die einzelnen Zeitraffersequenzen, die wir mit LRTimelapse gerendert haben, mit 30 Bildern pro Sekunde gerendert haben, dann möchten wir diese 30 Sekunden natürlich auch in unseren fertigen Film wiederfinden. Also sollten die wesentlichen Charakteristika von Quellmaterial und Renderprojekt übereinstimmen.

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Die wichtigsten Punkte, auf die Ihr achten solltet sind:

  • Auflösung
  • Bildrate
  • Abtastrate
  • Seitenverhältnis

Wenn alles übereinstimmt kann es dann tatsächlich ans rendern gehen. Allen ungeduldigen kann ich an dieser Stelle noch raten zu überprüfen, ob Ihr genutztes Videoschnittprogramm das Rendern mit der GPU, also mit der Grafikkarte zulässt. Denn gerade bei der Bild- und Videobearbeitung sind Grafikkarten einfach unschlagbar, weil hier viele Gleitkommaberechnungen verlangt werden, worauf gerade diese ausgelegt sind.

Um das einmal zu verdeutlichen habe ich das Video am Anfang des Artikels aus Langerweile einmal mit der CPU (Core i7 4710 HQ) und einmal mit der dedizierten GPU (Radeon R9 260x) gerendert. Während der Core i7 für das knapp 50 minütige Video etwa 8 (!) Stunden gebraucht hat, renderte die Grafikkarte es in knapp 2 Stunden fix und fertig. Die Qualität der beiden Videos ist dabei natürlich identisch. Aber das ist doch mal ein Zeitunterschied oder?

So, mit dem Abschluss dieses Artikels ist gleichzeitig auch die gesamte Reihe fertig! Auch wenn ich auf Dinge wie Motion Control oder die Heiliger Gral Methode nicht eingegangen bin, hoffe ich doch, dass es einigermaßen informativ für Euch war und Ihr jetzt vielleicht auch ein wenig Lust habt, Euch in der Zeitraffer Fotografie einmal auszutesten.

Und in Zukunft werde ich auch ganz bestimmt auf die erweiterten Themen wie Motion Control und Heiliger Gral zu sprechen kommen. Bis dahin!

Euer Mario

 

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