Raue Nordsee 2015 Tag 6

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Der Urlaub nähert sich langsam aber sicher dem Ende entgegen. Zwei Tage bleiben noch. Willkommen zum sechsten Tag der Nordseereise. Wie schon auf Helgoland, wollte ich mich auch auf dem Festland einen Tag der Tierfilmerei widmen. Und genau das tat ich auch am diesem Tag der Reise!
Nachdem der gestrige Tag mit den Zeitrafferaufnahmen sehr ruhig ablief, ist nun wieder etwas Beinarbeit gefragt, denn um gute Tieraufnahmen zu bekommen mussten wir uns erst einmal von der Zivilisation verabschieden. Das wiederum setzte einen guten Fußmarsch voraus.
Als wir im letzten Jahr das erste Mal unseren Urlaub hier verbrachten, schrieb ich vom so genannten „Niemandsland“, einer Deichlandschaft außerhalb der Örtlichkeiten. Letztes Jahr haben wir hier einen Tag damit verbracht Zeitraffer aufzunehmen. Und da wir die Landschaft damals Menschenleer vorfanden, dachte ich mir, dass es genau der richtige Ort wäre um Tiere zu filmen. Schließlich würde es dort nur wenig Menschen geben, die mich oder die Tiere stören würden. Das war jedenfalls mein Grundgedanke.
Bevor es nun aber weitergeht, präsentiere ich an dieser Stelle wieder einmal den obligatorischen GPS Track unserer Tagestour. Viel Spaß! 🙂

 

Wir machten uns also langsam auf die Socken und zogen am späten Vormittag los Richtung Niemandsland. Als wir auf dem Deich in Richtung Büsum liefen, sahen wir, dass die Ebbe gerade einsetzte. Das Wasser hatte sich schon einige Meter zurückgezogen und die ersten Touristen begannen Ihre Wattwanderungen am Touristenstrand. Wir gingen weiter in Richtung Stadt und nahmen erst einmal eine kleine Mahlzeit zu uns, damit wir für den weiteren Weg auch ausreichend gestärkt waren.
Als auch das erledigt war ging es weiter. Wir liefen am Museumshafen entlang und bestaunten noch einmal die historischen, die dort vor Anker langen, wanderten weiter Richtung Industriehafen, mit all seinen Fischkuttern auf denen mal mehr und mal weniger geschäftiges Treiben war. Hier kann man sich übrigens wunderbar mit frischen Nordseegarnelen eindecken. Aber leider konnte ich kein Kilogramm mitnehmen und den ganzen Tag mit mir herum tragen. 🙁

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Die meisten Restaurants beziehen logischerweise Ihre Zutaten auch von den Fischkuttern am Industriehafen (zu sehen an den vielen Azubis in Koch- oder Kellner uniform die hier herumlaufen ;).
An dieser Stelle hatten wir übrigens knapp die Hälfte unseres Weges geschafft, was wir erleichtert zur Kenntnis nahmen. Denn wir hatten uns natürlich wieder einmal das allerbeste Wetter für solch eine Tour ausgesucht. Der Himmel war Wolkenlos und es herrschten Temperaturen von ca. 35 Grad im Schatten. Da macht das Wandern doch Spaß oder?
Nach dem Hafen, führte uns unser Weg durch den Campingplatz und vorbei am Blanken Hans, welcher auch gleichzeitig die Ortsgrenze markierte. Der letzte Rest an Zivilisation, wenn man das denn so nennen kann, war eine Go Kart bahn, die in der Pampa herumstand. Wenn ich das jetzt alles so reflektiere, bin ich erstaunt wie Abwechslungsreich unser Weg zum Niemandsland doch war!
Nach diesem langen Fußweg standen wir also endlich da, auf den Deichen im Niemandsland. Noch nicht einmal die Schafe, welche sich sonst um den Deich kümmern waren anwesend. Die einzigen Menschen außer uns, die hier in dieser Einsamkeit herumstreiften, waren zwei Herren, die gerade dabei waren ein Loch in das Watt zu buddeln. Ich könnte mir denken, dass die beiden vielleicht Miesmuscheln ernten wollten, denn die gibt es hier neben Herzmuscheln in rauen Mengen. Ich glaube, dass dies auch schon im letzten Jahr Erwähnung in meinem Reisebericht gefunden hatte oder?

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Naja, egal wir mussten uns nun erst einmal vom Deich aus einen Überblick verschaffen, um zu entscheiden wo wir unsere Zelte aufschlagen sollten. Das war relativ schnell erledigt und so gingen wir den Deich abwärts Richtung Wasser. Dort hatten wir eine Gruppe Austerntaucher und Möwen im Blick. Ein Glück, das wir genug Sonnencreme aufgetragen hatten bevor wir loszogen, denn hier gab es nicht ein winzig kleines Fleckchen Schatten, in dem man sich hätte verkrümeln können.
Die Ebbe war zu diesem Zeitpunkt bereits weit fortgeschritten, sodass es nicht mehr lange dauern würde bis die Flut einsetzt. Ich schnappte mir mein Stativ samt der D5200 mit aufgesetzten 70-300er und zog los. Ich durchstreifte langsam das Watt und versuchte mich den Tieren so vorsichtig wie nur möglich zu nähern. Wann immer ich dachte, ich sei nahe genug dran, stellte ich mein Stativ auf und begann zu filmen.
Manchmal hatte ich Glück und die Tiere näherte sich mir sogar noch ein paar Meter. Manchmal hatte ich jedoch auch Pech und verschreckte die Tiere, oder aber Sie gingen oder flogen dann doch in eine andere Richtung als ich dachte. Die Tierfilmerei war für mich auf jeden Fall eine sehr spannende Geschichte. So zog ich dann auch ein paar Stunden bei gleißendem Licht und glühender Hitze durch das Watt, bis die Flut schließlich einsetzte. Zu diesem Zeitpunkt war ich sehr weit draußen und merkte wie sich die Welle näherte. Nun war es für mich also an der Zeit diesen Ort wieder zu Verlassen.

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Als ich dann wieder an der Küste ankam und mich umdrehte, war von der weiten begehbaren Landschaft, in der ich mich bis eben noch befand nicht mehr viel übrig gewesen. Die Flutwelle erreichte bereits wenige Minuten nach mir den Strand. Jetzt musste ich mich nur noch an den großen Steinen, welche als Küstenbefestigung dienten hochkämpfen. Das erwähne ich hier extra, weil die Steine mittlerweile glühend heiß waren! Der Weg nach oben war also nicht gerade angenehm. Unser letztes Wasser, das wir dabei hatten musste anschließend damit verschwendet werden meine Füße zu waschen, damit ich meine Schuhe wieder anziehen kann.
Und da Mutter hatte auch schon die Schnauze voll hat, den ganzen Tag in der Sonne zu stehen machten wir uns auf den Rückweg. Bis zur Stadt waren wir ja immerhin eine gute Stunde unterwegs. Dort angekommen gab es erst einmal eine ausgiebige Mahlzeit und etwas Erholung im Schatten. Auch ein leckeres Eis war nun genau das richtige um sich ein wenig abzukühlen.
Nun war es bereits Abend und ich konnte gar nicht glauben wie schnell dieser Tag an mir vorbeizog. Völlig zufrieden mit den Aufnahmen war ich jedoch noch nicht. Ich hatte das Gefühl dass da noch mehr geht!

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Also zogen wir, nachdem wir uns etwas ausgeruht hatten noch einmal zur Familienbucht. Dort waren wir ja bereits die letzten beiden Abende gewesen und haben den Zeitraffer vom Sonnenuntergang erstellt. Diesmal hatten wir jedoch genug Zeit, um das Gelände etwas ausgiebiger zu erkunden und die Bucht einmal komplett zu umrunden. Vor allem waren die Tiere hier sehr flugfreudig und so versuchte ich mein Glück ein paar Videoaufnahmen von den Flügen zu drehen.
Auch für ein paar obligatorische Bilder des Sonnuntergang, inklusive für das Bestaunen der Szenerie war noch genug Zeit.
In direkter Nähe der Touristen in der Familienbucht waren natürlich keine Aufnahmen zu machen, aber ich konnte mir wenigstens einen kleinen Überblick darüber machen, was hier alles in der Entfernung so kreucht und fleucht. Als es dann langsam dunkler wurde und die Touristen verschwanden, eroberte sich die Tierwelt das Gebiet zurück!
Nun bekam ich endlich die Aufnahmen, die ich erhofft hatte! Auch wenn die Kamera bei den Lichtverhältnissen schon langsam Probleme bekam! Mit der Belichtung und der Blende war ich schon an der Grenze und so musste ich nun die ISO Werte in immer neue Bereiche hochjagen. Auch der Autofokus hatte es in dieser Situation nicht mehr leicht. Ich wendete die gleiche Technik an, mit der ich auch schon auf Helgoland meine Tieraufnahmen machte. Heißt, ich verwendete den kontinuierlichen Auto Fokus und stellte diesen am Objektiv ab, wenn es sich korrekt eingependelt hatte.

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Zum Glück waren die Tiere gnädig mit mir und bewegten sich immer nur in der Schärfeebene nach links und rechts, während ich Filmte. Als es dann schließlich zu dunkel wurde um noch irgendetwas zu erkennen machten wir uns auf dem Weg zurück zur Ferienwohnung. Ich war total glücklich, dass ich die Aufnahmen die ich machen wollte dann doch noch bekommen habe!
Im Nachhinein kann ich nur sagen, dass ich mehr als froh war, die Videoeigenschaften meiner Kamera auszutesten und mich in der Tierfilmerei zu versuchen. Während des Filmens zu beobachten, wie sich die Tiere über einen längeren Zeitraum verhalten und vor allem die Verbundenheit, die man dabei fühlt ist schon Wahnsinn. Und natürlich das anschließende Glücksgefühl wenn alles so geklappt hat, wie man sich das im Vorfeld vorstellte.
Glücklich und Müde kamen wir wieder an der Ferienwohnung an. Nun war es an der Zeit, bei einem entspannenden Tee die Daten zu sichern,  bevor man dann endgültig Feierabend machte und ins Bett ging. Glücklich und zufrieden schlief ich dann auch sehr schnell ein.

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