Auf Jagd

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Diesen Sommer juckte es mir wieder einmal in den Fingern und ich wollte endlich wieder ein paar Tieraufnahmen machen. Da ich dieses Jahr auch nicht großartig in den Urlaub gefahren bin, wollte ich mich mit den in meiner Umgebung heimischen Tierarten auseinander setzen.

Und wen fragt man zu diesem Zweck wohl am besten?! Nun ja, zu dieser Frage wird es wohl mehrere gültige Antworten geben. Meine Antwort hieß zum Beispiel Jäger. Ich fragte also einen befreundeten Jäger was es hier so alles gibt und natürlich wo die besten Stellen sind.

Am Ende erklärte er sich damit einverstanden, dass ich Ihn auf die Jagd begleiten kann. Da ich hier so ziemlich in der Natur lebe, dauerte die Fahrt zum Hochsitz auch nicht lange.

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Da das meiste Wild erst in der Dämmerung anfängt aktiv zu werden, begann unsere Jagdtour erst 19:00 Uhr. An dieser Stelle muss ich allerdings dazu sagen, dass die Jagdtour noch vor der aktuellen Hitzewelle stattfand. Es wurde mit knappen 12 Grad also ordentlich kalt, zumindest für den August.

Gerade an die Kälte kann ich mich noch sehr gut erinnern. Aber zurück zur Sache! Schon als wir ankamen und das Auto etwas abseits abstellten, machte sich schon die Vorfreude in mir breit. Als wir auf dem kurzen Fußmarsch zum Hochsitz waren, haben wir auch schon die ersten Rehe gesehen. Der Hochsitz stand am Waldrand. Vor dem Wald befand sich ein mittlerweile abgeerntetes Feld.

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Die Rehe standen vielleicht in 150 m Entfernung zu uns und schauten immer wieder in unsere Richtung. Und immer wenn Sie das taten mussten mir mucksmäuschenstill sein und durften uns nicht bewegen, denn die Tiere lassen sich äußerst schnell verjagen.

Und so haben die 50 meter bis zum Hochstand fast eine viertel Stunde gedauert. Diese erste viertel Stunde habe ich auch gleich genutzt und die ersten Bilder aus der Entfernung aufgenommen.

Als Ausrüstung hatte ich an diesem Tag übrigens meine Nikon D7000 und meine Olympus OMD dabei. Als Objektiv kam das Tamron 70-300er zum Einsatz. Die Olympus hatte ich extra wegen des größeren crop Faktors dabei, falls mir die 300 mm an der D7000 nicht ausreichen würden. Nun ja, die 300 mm an der D7000 sind ja in Wirklichkeit eher 450mm. Und an der Olympus sind es dank des Croo-Faktors von 2 schon 600 mm. Außerdem hat die Olympus eine bessere ISO Leistung, falls es für die D7000 zu dunkel werden sollte.

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Gleich vorweg kann ich sagen, dass dieser Abend vor allem eine Entscheidung in mir hervorgebracht hat. Und zwar werde ich mir dieses Jahr noch das Sigma 150-600 mm für meine Nikon Kameras anschaffen und dann damit erneut auf jagt gehen. An der OMD wären das dann unglaubliche 1200 mm!

Aber zurück zur Jagd! Knappe 3 Stunden haben wir auf dem Hochsitz verbracht und ich hatte dabei nicht nur genug Zeit die Tiere zu beobachten, nein ich konnte auch noch das eine oder andere dabei lernen. Und so lernte ich, dass Rehe in dieser Jahreszeit häufig auf den abgeernteten Feldern an Waldrändern anzutreffen sind. Denn nach einem Regenschauer wächst hier frisches Grün, welches die Tiere als Vorbereitung für den Winter nun vermehrt brauchen.

Deswegen konnten wir mitunter auch über 10 Tiere gleichzeitig beobachten. Vor allem die jungen Tiere kamen zeitweise sehr nahe an den Hochsitz heran. Zwei Tiere sind sogar einfach darunter hindurch spaziert.

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Aus nächster Nähe wurden diese beiden Tiere aber vom klicken meiner Kamera erschreckt und flohen auch sogleich. Und wenn die ersten zwei wegrennen, dauert es natürlich auch nicht lange, bis die anderen 8 Tiere folgen. Dann war erst einmal eine ganze Stunde lang Schluss.

Aber nach besagter Stunde erschienen die ersten ausgewachsenen Tiere wieder auf dem Feld. Ich nehme an, dass dies so eine Art Vorhut war. Das frische Grün auf dem Feld war dann wohl doch einfach zu verführerisch um es sich entgehen zu lassen. Hier konnte ich auch beobachten, wie die ausgewachsenen Rehböcke sich um die besten Stellen duellierten. Sprich sie haben die Konflikte mir Ihren Geweihen ausgetragen.

Der Verlierer des jeweiligen Kampfes musste das Feld dann im wahrsten Sinne des Wortes räumen. Der Gewinner hingegen markierte nach dem Kampf sofort sein Revier. Das Geweih von Rehböcken ist nicht nur zum Kämpfen, oder um Eindruck zu schinden da. Dort befinden sich auch diverse Duftdrüsen, mit denen die Tiere Ihre Gebiete markieren. Dazu reiben Sie Ihr Geweih einfach an Büschen oder Ästen entlang.

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Diese Details hat mir allesamt der Jäger zugeflüstert. Zu jeder Aktion, welche die Tiere gerade ausführten konnte er mir sagen, was die Tiere da gerade machen und wieso sie es machen. Es war schon sehr interessant!

Fast ganz zum unserer Jagdsession konnte ich noch eine ganz besondere Kuriosität bei den Tieren ausmachen (naja, zumindest für mich). Rehe können nämlich ordentlich Bellen! Das ist mir an diesem Tag wirklich zum ersten Mal aufgefallen. Ich saß auf dem Hochsitz und hörte es hinter mir im Wald rascheln. Das waren die vorher geflüchteten Rehe, welche nun wieder auf das Feld zurückkehren wollten (die Vorhut war ja schon da).

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Auf einmal drehte der Wind und wehte nun unsere Fährte in den Wald hinein. Und da die Rehe ein sehr feine Nase haben, bekamen sie auch gleich mit, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Das Rascheln hörte auf und an dessen Stelle ertönte nun ein lautes Bellen. Die beiden Tiere auf dem Feld ergriffen auch sogleich die Flucht.

Ich dachte zuerst, dass ein Spaziergänger mit seinen Hund die Tiere aufgescheucht und in die Flucht geschlagen hatte und verabschiedete mich schon einmal von den Gedanken noch ein paar Bilder machen zu können.

Der Jäger wies mich an still zu sein und konnte mir in dem Moment auch nicht erklären was gerade geschieht. Die Tiere rochen zwar, dass etwas in der Nähe sein musste, sie konnten aber nicht bestimmen was und wo es ist. Und so bellte das Tier noch ungefähr 10 Minuten weiter. Danach kehrten alle Tiere wieder gemeinsam auf das Feld zurück.

Bild mit der Olympus OMD bei ISO 25.600. Selbst im digitalen Sucher war kaum noch etwas zu erkennen.

Bild mit der Olympus OMD bei ISO 25.600. Selbst im digitalen Sucher war kaum noch etwas zu erkennen.

Die Sonne war nun schon untergegangen und es war die letzte Möglichkeit noch einige Bilder zu machen. Meine D7000 hat zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Lichtverhältnisse bereits kapituliert. Ich zückte also die OMD und pflanzte das 70-300 mm auf. Die Tiere kamen wieder näher und mit ISO 25.600 konnte ich tatsächlich noch einige Bilder anfertigen.

In der zunehmenden Dunkelheit ließen sich die Tiere dann auch nicht mehr so leicht stören. Wahrscheinlich hatten sie sich schon an unseren Geruch gewöhnt, bzw. ignorierten diesen. Und da das Auslesegeräusch der OMD sehr viel leiser als das der D7000 ist, wurden sie auch kein zweites Mal aufgeschreckt.

Kurz vor 22:00 Uhr wurde es dann zu dunkel um noch irgend ein Bild machen zu können. Aber abseits davon war es auch unglaublich kalt geworden. Mit Höchstwerten von um die 17 Grad war es in diesen Tagen sowieso nicht sonderlich warm, aber in diesem Moment fühlte ich mich wirklich in die kalte Jahreszeit (ich dachte explizit an Februar) zurückversetzt.

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Wir brachen also unsere Zelte ab und schlichen uns wieder vorsichtig zurück zum Auto. Das war also mein Jagderlebnis. Es war wieder einmal wunderschön die Tiere zu beobachten und dazu auch noch das ein- oder andere dabei zu lernen. Bei der Tierfotografie überkommt mich jedes Mal so ein erhabenes Gefühl, wenn ich die Tiere und Ihre Verhaltensweisen beobachten kann. Oder wenn die Tiere immer näher kommen und es sogar zu einen flüchtigen Blickkontakt kommt. Einfach fantastisch!

Zum Abschluss dieses Artikels möchte ich natürlich noch sagen, dass an diesem Tag natürlich keines der Tiere zu Schaden gekommen ist. 🙂

Bis dahin

Euer Mario

PS: In der Galerie unter diesem Artikel findet Ihr wie immer alle Bilder des Tages noch einmal zusammengefasst. Mit einem klick auf das jeweilige Bild könnt Ihr Euch eine große Version anzeigen lassen. Solltet Ihr die Galerie nicht sehen, müsst Ihr den Artikel öffnen (also einfach auf den Titel klicken).

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