Im verlassenen Altenheim

Immer auf der Suche nach möglichst unberührten verlassenen Orten, hörte ich vor einiger Zeit von einem Altenheim, dass sich irgendwo in Thüringen befinden soll. Angeblich soll der Ort eine art Geheimtipp unter Lost Place Fotografen sein.

Anders als bei den meisten verlassenen Orten, soll hier die Einrichtung noch relativ intakt sein. Das ist mir auch besonders wichtig, denn leere Räume möchte ich natürlich nicht fotografieren. Das wäre ja uninteressant.

Und so bewaffnete ich mich letzte Woche mit der OMD samt Sigma 19mm Art, schwang mich auf mein Motorrad und fuhr los um diesen Ort zu erkunden.

Da das verlassene Altersheim jetzt nicht unbedingt in meiner Nähe war, konnte ich dann auch gleichzeitig die erste Motorradtour des Jahres begehen. Schön war es, endlich wieder den Fahrtwind zu fühlen.

Für das Motorrad entschied ich mich aber auch aus ganz praktischen Gründen. Mit dem Motorrad komme ich praktisch überall hin (auch dort wo abgesperrt ist) und, was noch wichtiger ist, ich kann das Motorrad gut verstecken. Beides sind wichtige Eigenschaften, die ich für Lost Place Fotografie brauche.

Endlich angekommen, musste ich jedoch erst einmal mein Frühstück nachholen, denn schließlich bin ich schon um 07:00 Uhr los gefahren (ich liebe diese Rewe Sandwiches).

Bevor ich mich dann aber in das Anwesen traute, wollte ich mir das alte Gemäuer einmal von Außen ansehen. Das Gebäude muss schon eine ganze Weile leer stehen. Zumindest war das mein Gedanke, als ich sah, wie überwuchert das Gelände war.

Eine gute Sache hatte das ganze natürlich. Und zwar war hier alles so zugewachsen, dass mich niemand entdecken würde. Das war beruhigend!

Nachdem das ganze drumherum geklärt war, konnte ich mich nun in das innere der Anlage wagen. Dafür musste zunächst eine kleine Klettereinlage in kaufen genommen werden, denn der Eingang befand sich in knapp 2,5 m Höhe.

Das war auch schon die letzte Hürde, die es zu meistern galt. Ist man erst einmal drin, kann das Abenteuer beginnen.

In inneren angekommen war ich erst einmal von den feinen Holzarbeiten, die es in der ersten Etage zu sehen gab beeindruckt. Die Decken waren sehr hoch, fast wie in einem Schloss. Boden und Wände waren mit Holz vertäfelt. In dem Holz waren zudem einige wundervolle Ornamente eingearbeitet.

Wie kann man so einen Ort nur verfallen lassen? Diese frage beschäftigte mich während meines gesamten Aufenthaltes immer wieder. Nach ein paar Minuten des ehrfurchtsvollen Innehaltens, ging es dann an das Erkunden des Erdgeschosses.

Highlight war hier wohl der Rollstuhl im Atrium. Durch den verwilderten Außenbereich drang wunderbar weiches Licht in das Gebäude ein. Die Schatten fielen immer wunderbar weich aus.

Der Nachteil dabei war natürlich, dass es in den Räumen und Gängen immer sehr dunkel war. Mangels Stativ musste ich Zeitweise sogar fünfstellige ISO-Werte in kauf nehmen! Zum Glück für mich ist die OMD einigermaßen Rauscharm.

Aber zurück zur ersten Etage. Hier gab es nur wenige große Räume und Hallen. Das waren damals wohl die Gemeinschaftsräume für die Einwohner. An Einrichtung standen hier meistens noch vereinzelt Rollstühle in den großen Hallen. Auch der Boden begann sich schon langsam zu heben. Der Verfall macht sich eben bemerkbar.

Im zentralen Bereich führte eine große Treppe hinauf. Nebenan war ein Fahrstuhl mit folgenden zu sehen:

Gruselig oder?

Nach diesem Anblick wollte ich erst einmal die oberen Etagen erkunden, bevor ich mich in die Gewölbe hinab wage. In der zweiten Etage war der Wohnbereich zu finden. Die Zimmer waren sehr klein und fast immer völlig heruntergekommen. Die Tapete wurde abgerissen und hing herunter, Türen wurden aus den Angeln gehoben und lagen nun am Boden und natürlich zierten wie in fast allen Lost Places irgendwelche Schmierereien die Wände.

Vereinzelt  standen noch Krankenbetten in den Zimmern, die immer ein gutes Motiv ergaben. Das war besonders in einem Raum der Fall. Dort war ein Krankenbett in der Mitte aufgestellt. Der komplette Boden des Raumes wurde dagegen von Federn übersät. Hier hatte sich jemand den Spaß gemacht und die Kissen auseinander genommen.

Der Raum war von einer einzigen Fensterwand umgeben und war in grünem Licht getaucht. Faszinierend.

Einige Vögel haben in dieser Etage ebenfalls Ihre Nester gebaut. Die Tiere sorgten immer für einen schönen Schreck, wenn sie davon flogen.

Weiter ging es nach oben. Am Ende der Etage führte eine schmale Treppe auf den Dachboden. Und dort gab es so einiges zu sehen! Da das Dach mittlerweile schon etwas beschädigt ist, gab es hier sehr schöne Lichteffekte.

So standen hier zum Beispiel ein alter Fernseher mit zwei Stühlen. Durch das einfallende Licht war das natürlich ein Top Motiv. Ich persönlich glaube an dieser Stelle nicht, dass die Szenerie einfach nur so herumstand. Da haben sich einige Fotografen, die schon vor mir da waren, sicherlich die Mühe gemacht und haben das ganze so angeordnet.

Nach dem Dachboden ging es dann erst einmal hinab in das Erdgeschoss. Durch die hohe Vegetation und den gut zugenagelten Fenstern war das Licht hier wirklich spärlich. ISO-Werte und die 10.000 waren hier bei mir keine Seltenheit.

Ich ärgerte mich richtig, kein Stativ mitgenommen zu haben. Hier im Erdgeschoss waren vor allem die Küche und eine Art Intensivstation interessant. Beide waren von der Einrichtung noch ganz gut ausgestattet und gaben entsprechend gute Motive ab.

Bei der Erkundung sollte man hier unten aber immer eine Taschenlampe griffbereit haben. Von Zeit zu Zeit ragen Metallteile (bis zu 80 cm!) aus dem Boden heraus. Der Boden ist außerdem mit Löchern gespickt. Durch die Dunkelheit sieht man leider beides nicht.

Ich war natürlich wieder so genial und habe meine Taschenlampe am Motorrad liegen lassen. Aber zur Not hilft auch das Handy!

Als Erstes ging es in die Küche! Diese war recht düster und zudem in grünen Licht getaucht. Da die Auto-ISO der OMD hier die von mir definierte Grenze von 12.800 überschritt, musste ich eine andere Lösung finden.

Ich platzierte die Kamera auf den Boden, oder nahm mir einige Tische zur Hilfe. Ich weiß auch nicht, wieso ich bei so einer Tour auf ein Stativ verzichtet habe! Aber egal, die Notlösungen haben irgendwie funktioniert und ich konnte einige Langzeitbelichtungen von der Küche machen.

Während dieser Zeit vernahm ich immer wieder ein lautes Scheppern aus der ersten Etage. Das waren wahrscheinlich ein paar Kollegen, die sich ebenfalls auf eine Lost Place Tour begeben wollten.

Neben der Küche führte auch noch eine kleine weiter hinab in den Keller. Mit der Taschenlampe bewaffnet, folgte ich dieser ein paar Meter. Dort unten gab es aber nun gar kein Licht mehr. Hier unten konnte ich also fürs Erste keine Bilder schießen. Ich ging wieder nach oben um den Rest des Erdgeschosses zu erkunden.

Der letzte interessante Raum, den ich hier fand, war eine Art Intensivstation. Ein Krankenbett, samt Krankenhaustisch und Waschbecken befanden sich hier. Alles war unter einem Fenster angeordnet, was natürlich für tolle Lichteffekte sorgte. Das war die Perfekte Gelegenheit für ein HDR.

Die OMD kann so etwas zwar automatisch machen, aber irgendwie vertraue ich der Sache nie so richtig. Ich persönlich wähle dann immer den A-Modus aus und stelle mir die passende Blende ein. Anschließend kann ich mit dem vorderen Einstellrad die Belichtungskorrektur einstellen. Und so machte ich in 1/3 schritten von -2 bis +2 ein HDR der Szenerie.

Bevor es nun an der Zeit zu gehen war, schaute ich mir noch schnell den Nebenraum an. Dieser war mit Papier und Akten übersät, die alle auf dem Boden lagen. Es lief sich hier schön angenehm. Aber nun war es wirklich an der Zeit zu gehen.

Ich packte die Kamera ein und holte die Taschenlampe wieder heraus. Von dem Scheppern, das ich in der Küche noch vernahm war nun übrigens nichts mehr zu hören. Auch im Erdgeschoss war alles leer.

Vielleicht sind die anderen Besucher ja abgehauen. Ich meine, die Motorradstiefel machen auf dem Parkettboden auch eine Menge Lärm. 😉

Nach einer kurzen Kletterpartie ging es wieder ins Freie und zurück zum Bike. Alles war noch so da, wie ich es zurückgelassen hatte. Puh!

An dieser Stelle muss ich natürlich noch dazu sagen, dass ich nie allein auf Lost Place Touren gehe. Dieses Mal war ein befreundeter Fotograf dabei. Davon, solche Touren zu unternehmen würde ich generell abraten. Auch wenn die Gebäude nicht immer einsturzgefährdet sind, besteht meistens trotzdem Verletzungsgefahr. Es ist also immer gut, wenn im Notfall ein Helfer da ist.

So, das war auch schon meine letzte Tour. Ich bin schon wieder auf der Suche nach neuen interessanten Orten und kann es kaum erwarten wieder auf Reisen zu gehen.

Bis dahin

Euer Mario

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